Baku begrüßt uns um 10 Uhr am Morgen mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad. Am Bahnhof erwartet uns der vom Hostel bestellte Fahrer mit einem schwarzen Mercedes. Es geht hinauf in den Stadtteil Badamdar zum Ciao Baku Hostel. Dort erwartet uns Murat, der uns mit passablen Englisch ein Zimmer im Basement der sauberen und günstigen Pension zuweist. Mit dem 31er geht es sofort in die Stadt. Das Fahrgeld in Höhe von 20 Qəpiki - etwa 10 Cent - zahlen wir beim Verlassen des Busses. In den neueren Busses und in der Metro wird mit der aufladbaren BakuCard bezahlt.

Unweit der Altstadt scheinen die Straßen jetzt zur Mittagszeit fast menschenleer. Alles wirkt sehr aufgeräumt. Sauber. Fast ein wenig steril. Mit einem Ayran setzen wir uns auf eine der vielen Bänke und nehmen ein spätes Frühstück zu uns. Es ist heiß. Wir laufen durch eine Fußgängerzone mit teuren Ladenlokalen und Cafes zum Meer. Die Straßen werden grundsätzlich - wie bei Hauptstraßen schon in Tiflis - in Fußgängertunneln unterlaufen. Während in Tiflis diese Passagen mit Ladenlokalen und Händlern vor Leben nur so sprudelten, wirken die Tunnel hier klinisch rein. Rolltreppen von Schindler und Thyssen-Krupp, gewienerter Marmor, zum Teil Treppenlifte und ein paar Menschen in Uniformen, die über die Ordnung wachen.

Am Kaspischen Meer begrüßt uns der Boulevard. Eine kilometerlange, mehrere hundert Meter breite Flaniermeile am Ufer des Meeres. Unter schattigen Bäumen finden sich Wege und viele Bänke, Kinderspielplätze und -karousells. Teehäuser laden zum Verweilen ein. Am Ende des Bouvelards, der aktuell in beide Richtungen verlängert wird, stehen Bauwerke mit außergewöhnlicher Architektur. Auf der einen Seite bildet das Marriot Hotel und zwei neue entstehende Glas-Beton-Konstruktionen einen Blickfang. Am anderen Ende ist das Teppichmuseum, das an eine Blüte erinnernde Bauwerk der Caspian Waterfront Mall und die drei Flame-Tower am Berghang mit ihrer imposanten, nachts illuminierten Glasfassade.

Wir drehen ab in die Altstadt. Immerhin auf der Welterbeliste der UNESCO. Es entsteht allerdings der Eindruck, dass es sich eher um den Traum von Immobilienspekulanten handelt. Authentisch ist das auf keinen Fall. Menschen wohnen hier gefühlt keine mehr und die Gebäudehülsen verwandeln sich in Hotels für eine gutbetuchte Kundschaft. 

Der Bau- unnd Immobliensektor scheint stark zu prosperieren. Überall entstehen neue Wohntürme. Oft viele, viele Stockwerke hoch, teils recht schön anzusehen, teils grausam verspielt. Zuckerbäckerstil. Viele dieser riesigen Wohnimmobilien stehen allerdings noch zum größten Teil leer und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich hier das Mieter oder Eigentümer finden.

Mir kam der Gedanke an eine Art moderner Alchemie. Eine direkte Transformation von Öl und Gas in Beton und Glas. Nachhaltig entscheint mir das nicht.