Wir wohnen in einem kleinen Homestay in Tyrna oberhalb der Wurzelbrücken von Nongriat. Unser Gastgeber Adell ist Khasi, römisch-katholischer Christ und Dorflehrer an der hiesigen Grundschule. In unserem Haus gibt es kein fließend Wasser. Im Badezimmer werden uns täglich mehrere große Eimer Wasser bereitgestellt. Immer gut abgedeckt. Offenes Wasser zieht Moskitos an. Das Wasser gibt es für alle im Dorf an mehreren Wasserstellen, an denen auch gewaschen wird. Der Strom fällt regelmäßig aus, dann spendet eine chinesische Solarleuchte etwas Licht. Was wirklich schnell und stabil funktioniert ist das Internet über die 4G Mobilfunkverbindung. Zwischen Castrop und Herne klappt das in der Regel bei weitem nicht so gut.

Tyrna ist ein kleines Dorf mit 120 Haushalten und gut 600 Menschen. Hier endet die kleine Straße. Weiter geht es nur zu Fuß. In Tyrna gibt drei kleine Chaibuden, in denen man mit etwas Glück auch etwas zu Essen bekommt. Es gibt zwei kleine Kioske für Kekse, Betel und Beedies. Andere Läden gibt es nicht. Die Menschen versorgen sich aus dem Dschungel und von der kleinen Parzelle an ihren Häuser. Es gibt zwei Kirchen. Oben auf dem Berg die größere presbyterianische Kirche, etwas weiter unten im Dorf die kleinere römisch-katholische Kirche. Sonntags sind alle Läden abgeschlossen und die Menschen gehen in die Kirche. Die Glocken der beiden Kirchen klingen durch das Bergtal.

Die traditionelle Khasi-Religion war eine animistische Stammesreligion in denen die Ahnen und Naturgeister verehrt wurden. Zur Khasi-Religion gehören eine Reihe Gebote und Tabus. Das wichtigste Verbot ist das Inzesttabu, das die Heirat im eigenen Clans verhindert. Von der ursprünglichen Religion zeugen Ahnensteine, die sich auch heute noch in den Dörfern finden.  Im 18. Jahrhundert begann die Christianisierung durch deutsche und englische Missionare. Neben der Khasi-Sprache und ihren vielen Dialekten gilt Englisch als Amtssprache. Das erleichtert die Kommunikation mit den Menschen sehr. 

Die Besonderheit der Khasi, die ursprünglich aus Südostasien eingewandert sind, ist die matri-linearen Gesellschaftsordnung. Die Khasi leben ein Matriachat mit mütterseitiger Abstammungslinie, Wohnsitzwahl und Erbfolge. Bis heute halten fast alle Khasi an dieser traditionellen Lebensweise fest. Die Kinder werden der Mutter zugerechnet und Güter, Rechte, Titel und Pflichten werden von den Müttern an ihre jüngsten Töchter vererbt. Im Alltag bekommt man von dieser Lebensform gar nicht viel mit. Männer und Frauen wirken gleichberechtigt und sind freundlich und offen.

Und noch was: Die Khasi spielen Fußball. Kein Cricket.