Lin Yutang

Niemand realisiert, wie schön Reisen ist, bis man nach Hause kommt und seinen Kopf aus das alte, gewohnte Kissen legt.

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In Uyuni werden verschiedene Touren zum Salar de Uyuni und in den Nationalpark Eduardo Avaroa ganz im Nordosten Boliviens angeboten. Wir entscheiden uns für eine dreitägige Tour mit zwei Übernachtungen und der Garantie den Salar de Uyuni, den größten Salzsee der Welt, vollständig zu überqueren.

Am Dienstag Morgen um halb elf steigen wir vor der Agentur Blue Lines in einen Toyota Landrover. Das Gepäck wird neben mehreren Kanistern Diesel auf dem Dach verstaut. Mit uns steigen zwei Jungs aus Frankreich und zwei junge Koreaner in das Fahrzeug. 

Tag 1: Der Eisenbahnfriedhof, Salar de Uyuni und die Kakteeninsel

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Der Eisenbahnfriedhof in Uyuni liegt an der Bahnstrecke von Uyuni nach Antofagasta. Auf der Strecke wurden und werden Erze und Mineralien an die Küste zum Weitertransport per Schiff befördert. Nach dem chilenisch-bolivianischen Krieg in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts, in dem Bolivien seinen Zugang zum Meer verlor, wurden die Loks und Waggons stillgelegt. Alle Touren fahren zunächst diesen Cementerio de los Trenes an. Es parken bestimmt 30 Landrover vor den alten Lokomotiven und die Besucher posieren auf dem ausgeweideten Stahlschrott.

Dann geht es zum Salar. Zuvor noch ein Stopp in Colchani. Das Dorf lebt vom Salz und der Aufbereitung. Heute verdient man mehr damit den Touristen die Salzgewinnung zu erklären. Es gibt Souvenirshops und Absteigen, in denen die Ausflügler ihr Mittagessen einnehmen. So auch wir. Dann fahren wir auf den Salzsee. Die Touren steuern alle einen bestimmten Punkt auf der Salzwüste an. 2014 führte die Rally Paris-Dakar durch Südamerika und von Argentinien nach Bolivien über den Salar. Es wurde ein ziemlich hässliches Denkmal errichtet und bunte Flaggen vieler Länder aufgestellt - der nächste Stopp für alle Touranbieter.

Der Salar de Uyuni ist mit über 10000 Quadratkilometern der größte Salzsee der Welt. Der Salzsee entstand vor vielen tausend Jahren, als hier ein riesiges Binnenmeer austrocknete. Gebunden in der bis zu 200 Meter dicken Salzschicht lagern hier die größten Lithiumvorräte des Planeten. Lithium wird für moderne Akkutechnologie benötigt und gilt als Schlüssel für Elektromobilität.

Viele Touranbieter fahren nach dem Besuch des Dakardenkmals wieder zurück. Der Salar ist in der Regenzeit zwischen Dezember und März überflutet. Auch jetzt Anfang April stehen weite Teile der Salzwüste noch bis zu 30 cm unter Wasser. Die Anbieter schonen ihre Fahrzeuge und fahren nicht durch die Salzsole. Bei der Wahl des Anbieters haben wir auf das Durchqueren der Salzwüste bestanden.

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Wir fahren also gut 80 km durch das Salz bis zur Isla Incahuasi. Die kleine Insel liegt so ziemlich in der Mitte des Sees und ist von tausenden Säulenkakteen bewachsen. Die für Bolivien typischen Kakteen werden bis zu zwölf Meter hoch und wachsen pro Jahr nur einen bis eineinhalb Zentimeter. Die ältesten Kakteen sind also bis zu 1200 Jahren alt. Die Isla Incahuasi ist einfach erstaunlich. Der Salar ist eine vollkommen lebensfeindliche Umgebung und genau in der Mitte diese Vielfalt von Kakteen.

Nach dem Besuch der Kakteeninsel steuern wir auf das südliche Ufer des Sees zu. Je näher wir an das Ufer kommen, desto mehr Wasser steht auf dem Salz und in der planen Wasserfläche spiegelt sich die Umgebung. Wir machen einen weiteren Fotostopp, um die Spiegelungen mit der Kamera einzufangen.

In San Juan übernachten wir in einem Salzhotel. Die Häuser und darin auch Betten und Tische sind komplett aus Salzblöcken erbaut. In der Nacht gehen die Temperaturen runter bis zum Gefrierpunkt und wir sind froh über unsere Daunenschlafsäcke.

Tag 2: Flamingos in den Lagunen des Altiplano

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Um 9:00 Uhr am Morgen steigen wir wieder in den Landrover. Das erste Ziel ist ein Mirador mit Blick auf einen  rauchenden Vulkan. Das Baño kostet happige 5 Bolivianos, aber dafür ist die Klofrau auch richtig schön unfreundlich. Unser Fahrer und Guide Bryan hingegen bemüht sich. Er spricht zwar ausschließlich Spanisch. Aber schön langsam und bei Bedarf wiederholt er seine Ausführungen auch mehrmals.

Er eröffnet uns eine Option, eine neue Route zu fahren. Weniger Touristen, weniger Lagunen, aber deutlich mehr Flamingos. Und er soll Recht behalten. An der Laguna Chulluncani tummeln sich hunderte, wenn nicht gar tausende Tiere. Es gibt hier in den Anden drei Flamingoarten, die zum Brüten und zur Aufzucht des Nachwuchses die hochgelegenen, mineralreichen Lagunen aufsuchen. Die Jungtiere haben noch nicht die flamingotypische Rosafärbung. Sie sind grau.

Wir bleiben etwa eine Stunde an dem See und können die Tiere ausgiebig beobachten und fotografieren. Jetzt steht endgültig fest: Meine nächste Kamera wird ein ausreichendes Zoomobjektiv besitzen.

Unser Mittagessen nehmen wir im Inca-Restaurant unter freiem Himmel ein. Oberhalb der Laguna Cachi baut Bryan einen Mittagstisch. Es gibt Hähnchen mit Salat und Gemüse. Die Vegetarier bekommen Omlette. Beim Essen können wir wieder Flamingos beobachten. Der nächste Halt liegt im Nationalpark. Der Eintritt beträgt 150 Bolivianos - knapp 20 Euro. Wir müssen unsere Reisepässe vorzeigen und bekommen neben der Eintrittskarte noch einen wunderschönen “Einreisestempel” mit stilisiertem Flamingo in den Reisepass gestempelt. Kurios.

Die Laguna Colorado ist der letzte Stopp an diesem Tag. Der See hat eine tiefrote Farbe. An den Ufern gibt es weisse Borax-Mineralablagerungen. Das Blut von Lamas lässt die Laguna Colorado rot leuchten, so erzählt es die Legende. In Wirklichkeit wird die Farbe durch Milliarden Mikroorganismen erzeugt. Diese sind Nahrung der Flamingos und geben ihnen die typische Färbung. Wir übernachten in einer sehr einfachen Unterkunft und in der Nacht wird es bitter kalt. Beim Abendessen gibt es eine Flasche bolivianischen Wein, Suppe und vegetarische Spagetti.

Tag 3: Geysire, heisse Quellen und der lange Weg zurück nach Uyuni 

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Die Nacht ist kurz. Schon um vier Uhr klingelt der Wecker. Eine Stunde später sitzen wir wieder im Auto. Es ist stockdunkel und das Aussenthermometer des Toyota zeigt minus acht Grad Celsius. Das Geysirfeld liegt auf fast 5000 Metern und wir werden eindringlich gewarnt, nicht zu nah an die blubbernden Schlammlöcher heran zutreten.  

Den Sonnenaufgang erleben wir in den heißen Quellen. Bei -8 Grad in die Badehose zu hüpfen, erfordert einiges an Überwindung. Aber wenn man dann im 35 Grad warmen Wasser sitzt und auf die aufgehende Sonne schaut, will man einfach nicht mehr aus dem Pool heraus. Aber es geht weiter. Der nächste Programmpunkt ist die Salvador-Dalí-Wüste. Eine Steinwüste mit surrealen Felsformationen.

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Der letzte Halt vor der chilenischen Grenze ist die Laguna Verde. Diese ist allerdings gar nicht grün. Unser Guide Bryan erläuert uns, daß wir einfach zu früh dran sind für das Farbenspiel der Lagune. Erst ab Mittag wärmt sich die Lagune soweit auf, das sich die namensgebende Färbung ergibt. Als nächstes fahren wir zur chilenischen Grenze. Unsere vier Mitreisenden steigen hier aus und fahren mit dem Bus weiter nach San Pedro de Atacama. Unserem Jeep werden drei neue Passagiere zugeteilt und dann beginnt die lange Rückreise nach Uyuni. Auf dem Weg dahin besuchen wir noch weitere Lagunen und sehen viele Lamas, Vicuñas und Alpacas. Am Ende der Tour sind es 870 Kilometer auf durchschnittlich 4000 Höhenmetern. Todmüde freuen wir uns auf eine heiße Dusche und ein bequemes Bett.

 




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