Traditionelles Dorf der Mursi

Bei den Dassanetch war es nur eine Vermutung. Bei den Mursi scheint es Fakt. Unser Fahrer möchte uns eigentlich gar nicht in die Dörfer der Mursi im Mago-Nationalpark fahren. Er mag das Volk der Mursi nicht. Spätestens gegen Mittag sind in Dörfern viele Indigene stark betrunken und dann verhalten sich die Menschen aggressiv gegenüber den Besuchern. Wir sind sehr früh unterwegs und eine der ersten Besuchergruppen des Tages. Noch ist alles friedlich.

Und zum Glück bleibt das auch so während unseres Besuches. Die Befürchtungen unseres Fahrers sind unbegründet. DIe Mursi sitzen friedlich vor ihren Hütte. Vor sich zum Verkauf ausgebreitet die berühmten, verzierten Tonteller mit denen die Mursifrauen ihren Körper schmücken.

Die Mursi sind berühmt für ihren Körperschmuck und die Körpermodifikationen der Frauen. Ich kann mich noch gut an erste TV-Dokumentationen über diese nomadisch lebenden Bauern und Rinderzüchter erinnern. Schon damals übten die Lippenteller und Ohrtunnel der Mursi-Damen eine sonderbare Faszination aus. Die Mursi sind bekannt für die tönernen Lippenteller der Frauen. Um diese einzusetzen, wird den Mädchen am Ende der Pubertät die Unterlippe aufgeschnitten und die unteren Schneidezähne ausgeschlagen. Die Tonteller werden von den Mädchen selbst geformt, gebrannt und mit einfachen Mustern und Formen bemalt. Nach und nach werden immer größere Exemplare werden eingesetzt, um die Unterlippe allmählich zu dehnen. Auf dieselbe Art werden häufig auch die Ohren verziert.

lippenteller der mursi

Viele Mursi-Frauen schmücken sich zudem mit Ziernarben am Körper. Geometrisch angebrachte Skarifizierungen finden sich in Afrika besonders bei jenen Ethnien, auf deren dunkler Haut eine Tätowierung nur schlecht sichtbar ist. Bei den Männern gibt es die Form der Körpermodifikationen überings nicht. Hier beschränkt sich der Schmuck auf eine Bemalung mit weißer Farbe. Heute verzichten auch viele junge Mursifrauen auf die Tradition. Das Siedlungsgebiet der Mursi ist aktuell durch eine riesige Zuckerrohrplantage am südlichen Omo stark bedroht. Mit Hilfe chinesischer Investoren wurde auf 250.000 Hektar Zuckerrohr gepflanzt und eine Infrastruktur für Verarbeitung und Transport geschaffen.