Ruhrort. Hier fließt die Ruhr in den Rhein. Die Landmarke Rheinorange markiert die Mündung der Ruhr. Doch eigentlich liegt Ruhrort am Vinckekanal. Der westfälische Reformer legte den Grundstein für den Ausbau des Duisburger Hafens und wird in Ruhrort auf dem Vinckeplatz noch mit einer Säule geehrt.
Alles das lernen wir auf einer äußert kurzweiligen Hafenrundfahrt mit der MS Rheinfels. Das »Wohnzimmer auf dem Wasser« ist 25 Meter lang und startet an der Schifferbörse. Es ist Niedrigwasser in Ruhrort. Der Pegel liegt bei 1,71 Meter. Normal sind hier gut 4 Meter. Bei 9,30 Meter wird die Schifffahrt dann eingestellt. All das erzählt uns ein drahtiger Kerl am Steuerrad, der lässig in seiner Steuerkabine sitzt, das Boot mit den Füßen steuert und ununterbrochen Wissen, Weisheiten und Dönekes aus dem Duisburger Hafen von sich gibt.
Niedrigwasser. Auf einer Treppe geht es fast zehn Meter hinab zum Einstieg in das Salonschiff. Nicht ganz einfach für die Schwiegermama, die auf den Rollator angewiesen ist. Für Schiffer bedeutet es: Fahren mit weniger Fracht oder gleich ganz im Hafen bleiben, weil es sich schlicht nicht lohnt den Dieselmotor anzuwerfen. Auch wir können aufgrund des Niedrigwassers einige Hafenbecken nicht ansteuern.
Am Vinckekanal liegen die Ursprünge des Ruhrorter Hafens. Das historische Hafenbecken des Werfthafens steht unter Denkmalschutz und ist deutlich zu klein für die Schiffe und Schubverbände der heutigen Zeit. Im Südhafen, dem ehemaligen Freihafen, gibt es heute eine Reparatur-Werft. Es geht zurück auf den Rhein und wir passieren die historischen Schiffe des Deutschen Binnenschifffahrtsmuseum.
Unter der Friedrich-Ebert-Brücke geht es auf den Rhein. Ab 1852 wurden hier zunächst auf einem Trajekt Eisenbahnwaggons über den Rhein verschifft. Aus dieser Zeit stammen auch die beiden Eisenbahnhäfen Ruhrort und Homberg. Noch heute erinnern die markanten Brückentürme an dieses Bauwerk. Zwischen 1904 und 1907 wurde dann die Admiral Scheer Brücke errichtet und Anfang März 1945 von fliehenden deutschen Truppen gesprengt wurde, um den Vormarsch der Alliierten in das Ruhrgebiet zu verzögern.
Bis zur Autobahnbrücke der A40 geht es stromaufwärts den Rhein hinauf. Die Brücke wird gerade neu errichtet. Eigentlich werden zwei Brücken neu gebaut. Die südliche Schrägseilbrücke mit ihren zwei 75 Meter hohen Pylonen ist bereits fertig. Die nördlich Brücke ist im Bau. Hier werden gerade in Vorschubtechnik die Brückensegmente über den Fluss geschoben. Nach Fertigstellung dieser Brücke wird dann die südliche Brücke noch einmal verschoben.
Stromabwärts geht es bedeutend schneller. Die mittlere Fließgeschwindigkeit des Rheins beträgt bis zu 6 Kilometer in der Stunde. Nach der Ruhrmündung fahren wir in den Hafenkanal ein. Auf der ehemaligen Erzinsel sind heute neue Logistikhallen entstanden. Im einst das Ruhrgebiet prägenden Kohlehafen endet heute die neue Seidenstraße. Auf der Bahn kommen die Güter in 16 Tagen bis zu den Containerterminals im Duisburger Hafen und werden von hier nach ganz Europa weiterverteilt. Mit dem Schiff dauert der Transport in der Regel sechs Wochen.
Nach gut zwei Stunden endet die Hafenrundfahrt und wir legen unterhalb der Schifferbörse an. Am Kai stehen schon die Passagiere für den nächsten Törn. Am Wochenende wird die Rundfahrt von März bis November zweimal täglich angeboten. Ahoi.












