Ich kann mich noch erinnern. Der Keller wird ausgemistet. Wir fahren mit unserem roten VW Käfer nach Deusen zur Kippe. Man kann mit dem Fahrzeug direkt auf die Müllhalde fahren und dort seinen Unrat abladen. Planierraupen verteilen dann den Müll. Er stinkt bestialisch und über der Halde kreisen Möwen auf der Suche nach Essbarem. Dortmund in den 70er- und 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
50 Jahre später steht man an gleicher Stelle inmitten einer weitläufigen, grünen Naturlandschaft. Der Deusenberg erhebt sich im Dortmunder Norden zwischen der Emscher und mehreren Bahnlinien auf eine Höhe von 112 Metern. 1992 wird die Deponie stillgelegt und aufwendig abgedichtet. Auf dem Müllberg werden rund 150.000 Bäumen und Sträucher gepflanzt. Das Deponiegas wird aufgefangen und energetisch genutzt. 2004 wird die ehemalige Halde der Öffentlichkeit übergeben.
Oben auf dem Berg wird ein Mountainbike-Parcour errichtet. Auf Single-Trails kann man den Berg hinab rasen. Jahre später entsteht auf dem ehemaligen Müllberg eine große Photovoltaikanlage. Aber viel los ist hier eigentlich nie. Meist ist man allein mit der grandiosen Aussicht. Ein Rundum-Panorama über Dortmund und das östliche Ruhrgebiet. Im Westen blickt man über die Kokerei Hansa bis zur Nachbarstadt Castrop-Rauxel. Im Norden sieht man die riesigen Hallen des Ikea-Verteilzentrums und das nahe Münsterland. Im Südosten schweift der Blick über die Industrieflächen des Dortmunder Hafens bis zur Skyline der Stadt. Den besten Blick hat man am Abend, wenn die Sonne untergeht. Die ganze Stadt taucht dann in ein warmes orangefarbenes Licht.
Gut zu erreichen ist der Deusenberg bislang nicht. Am besten noch mit dem Rad auf dem Emscherweg. Das soll sich ändern. Mit der Internationalen Gartenausstellung 2027 wird der Deusenberg nach Westen hin zur Kokerei Hansa geöffnet. Eine Brücke über die Bahnstrecke - der Haldensprung - verbindet ab dem kommenden Jahr den Deusenberg mit dem Emschergarten der IGA 2027. Auf den Wiesen der Halde werden rund um die Solaranlage großflächige Blühstreifen aus heimischen Wildpflanzen gesät. Ein neues Wegenetz sowie neue Aussichtsplattformen ermöglichen auch Menschen mit Einschränkungen, die Ausblicke über die Region zu genießen.






















