Wir sind wieder Rad gefahren. Auf vermutlich einem der beliebtesten Radwege in Europa: Der Donauradweg zwischen Passau und Wien bietet auf gut 350 Kilometern autofreie Asphaltbänder entlang des zweitlängsten Flusses Europas. Und während die Jugend mit dem Gravelbike unterwegs ist und sich alle anderen vom E-Motor unterstützen lassen, sitzen wir auf kompakten kleinen Falträdern.
Zelt und Schlafsäcke sind in einem Rucksack verstaut und finden beim Radeln, verschnürt mit dem Brooks-Sattel, ihren Platz auf dem Gepäckträger des Brompton. Kleidung, Wechselwäsche und der ganze Rest sind im Taschen für den Frontgepäckträger untergebracht. So haben wir es schon im letzten Jahr bei unserer Radtour rund um den Öresund gemacht. Es hat sich bewährt. Der große Vorteil beim Reisen mit dem Faltrad: Man benötigt keine Reservierung für das Fahrrad im Intercity Express.
Und so stehen wir dann um kurz nach 6 Uhr in der Frühe am Dortmunder Hauptbahnhof und steigen in den Zug nach München Hauptbahnhof. Nach einem Aufenthalt von gut zwei Stunden – mit dem Faltrad ein wenig durch die bayrische Landeshauptstadt pedalieren – sitzen wir im Regionalexpress nach Passau. Gegen 15:30 Uhr checken wir im Rotel am Donauufer ein und die freundliche Dame an der Rezeption hat gleich einen Tipp für eine Stadtrunde mit dem Rad durch die Dreiflüssestadt. Der Abend endet im Bayrischen Löwen.
Wir planen die Radreise durch Österreich in 6 Etappen:
Passau - Aschach an der Donau (70 km) 

Schon beim Frühstück im Rotel direkt an der Donau zeigen sich erste Regentropfen auf der spiegelnden Oberfläche des Flusses. Wie angekündigt und im Regenradar zu sehen, zeigt sich ein Regenband durch äußersten Südosten des Landes. Doch als wir dann auf die Räder steigen ist es wider Erwarten trocken. Wir entscheiden uns für die südliche Donauseite. Der Donauradweg ist auf der gesamten Strecke auf beiden Seiten der Donau befahrbar. Auf den ersten Kilometer liegt die Strecke unmittelbar an ein recht befahrenen Bundesstraße.
Bald überqueren wir die Grenze nach Österreich. Es ist noch immer trocken. Das ändert sich beim ersten großen Donau Wehr beim Kraftwerk Jochenstein. Es fängt erst an zu tröpfeln. Kurz danach regnet es Bindfäden (und es soll an diesem Tag auch nicht mehr aufhören). In dem Café eines privaten Kunstmuseums schlürfen wir Cappuccino und essen Kuchen. Es sind jetzt früh im Jahr nur weniger Radreisende unterwegs.
Bei Niederranna wechseln wir die Donauseite. Auf einem ruhigen Weg pedalieren wir in Richtung Schlögener Schlinge. Der Strom durchbricht hier das Böhmische Massiv und mäandert in mehreren Schlingen in Richtung Aschach. Es gibt mehrere Personen und Radfähren in diesem Bereich. Linksseitig gibt es hier keinen Radweg, sodass alle Radfahrer auf die südliche Seite wechseln müssen. Leider ist der schön gelegene Campingplatz Kaiserhof nicht bewirtschaftet, sodass wir in einem überteuerten, aber trockenem Zimmer über einer Pizzeria übernachten.
Aschach - Linz (30 km) 

Am Morgen begrüßt uns die Sonne. Der Radweg raus aus Aschach ist trocken und ein sanfter Rückenwind schiebt uns in Richtung Linz. In der Ferne leuchten die schneebedeckten Gipfel der Alpen. Es ist kalt geworden an diesem Wochenende. Die Eisheiligen zeigen was können. Die Donau ist hier breit und ruhig wie ein See, der Staustufe kurz vor Ottersheim geschuldet. Wir überqueren die Donau auf einer Rollfähre. Ohne Motor mit der Kraft der Strömung bringt uns die Fähre nach Ottersheim.
Ab Puchenau führt der Donauradweg entlang der viel befahrenen Bundesstraße 127. Erst in Linz am Urfahrer Ufer wird es wieder entspannter. Hier liegt auch schon unser Zeltplatz am Ruderverein ASKÖ Donau Linz. Wir bauen das Zelt auf und starten dann mit den Bromptons eine Stadtrundfahrt ohne Gepäck.
Linz - Grein (63 km) 

Auf der nördlichen Donauseite liegt der Pleschinger See. Wir radeln auf breiten Radwegen in Richtung Steyregg. Auf der anderen Seite der Donau liegt die Montanindustrie Österreichs. 1938 wurden in den Donauauen die Hermann Göring Werke als Zulieferer der Rüstungsindustrie gegründet. Die Skelette der Hochöfen und die Kokereien werden heute von voestalpine betrieben. Es ist ein wenig so als würde man in Duisburg am Rhein entlang radeln. voestalpine ist für gut 10 % aller österreichischen CO₂-Emissionen verantwortlich. Über Linz liegt ein sichtbarer Dreckschleier. Ein bisschen wie früher im Ruhrgebiet.
Am Kraftwerk Abwinden-Asten überqueren wir erneut die Donau, um dann festzustellen, dass es auf dieser Seite nicht weitergeht. Eine Fähre bringt uns nach Mauthausen. Wir verrichten auf einem Besuch der Gedenkstätte an der größte Konzentrationslager auf österreichischem Boden. Der Donauradweg schlängelt sich durch das Machland und bei Mitterkirchen verlassen wir für einige Kilometer das Flussufer.
Das Tagesziel, den Campingplatz in Grein erreichen wir am frühen Nachmittag. Nachdem wir unterhalb der Greiner Burg das Zelt aufgebaut haben, laufen wir per pedes durch das historische Örtchen. Beim Abendessen bekommen wir noch ein Ständchen von örtlichen Musikanten mit Quetschkommode, Posaune und Klopfkasten. Die Herren haben Spaß und dieser Spaß überträgt sich auf die Zuhörer. Danke dafür.
Grein - Rossatz in der Wachau (77 km) 

Auf in die Wachau. Unter diesem Motto steht der vierte Tag unserer Radtour durch Österreich. Wir frühstücken auf einer Bank gegenüber des Prediktstein bei St. Nikola. Ein zweites Frühstück und einen Verlängerten gibt es in Ybbs. Ein etwas langweiliger Ort der mit einem Fahrradmuseum an der Beliebtheit des Donauradwegs teilhaben möchte. Es folgen Orte mit lieblichen Namen wie Krummnussbaum und Pöchlam.
Mittagsessen gibt es beim Metzger auf dem Marktplatz von Melk. Sogar eine vegetarische Speise steht auf der Karte. Melk ist das Tor zur Wein- und Kulturlandschaft Wachau. Oberhalb der Stadt liegt die Basilika des Stiftes Melk. Die Benediktiner-Abtei liegt am rechten Ufer der Donau und gilt als Wahrzeichen des UNESCO Welt- und Kulturerbe Wachau. Kurz hinter Melk gibt es an der Bundesstraße einen kleinen Campingplatz. Wir fahren weiter entlang der Donau. Am Schloss Schönbühel geht es aufwärts. So stark, dass wir absteigen und die Bromptons schieben müssen.
In Hofarnsdorf gegenüber von Spitz an der Donau weist ein Schild auf einen Heurigen hin. Ein Kranz an der Holztür. Familie Glück lädt zur Weinverkostung. Im Hinterhof des Winzers stehen einige Tische. Brotzeit und Wein. Grüner Veltiner und die Winzerplatte. Bis zum nächsten Zeltplatz sind es noch 15 Kilometer. Lange 15 Kilometer. Der Campingplatz in Rossatzbach liegt direkt an der Donau. Gegenüber des Stifts in Dürnstein. Der hellblaue Turm der Stiftkirche spiegelt sich im Wasser der Donau.
Rossatz - Tulln an der Donau (57 km) 

Der nächste größere Ort ist Mautern an der Donau. Hier gibt es eine Bäcker und einen Supermarkt. Unser Frühstück nehmen wir auf einer Picknickbank an der Donau ein. Unser Blick schweift auf das gegenüberliegende Krems. Am Ufer einige Flusskreuzfahrtschiffe. Es ist heiß.
In Krems lädt die Kunstmeile zum Verweilen ein. Wir besuchen das Karikaturmuseum. Hier begeistert das Manfred Deix Archiv. In Schubladen warten über 60 Originale des provokanten Künstlers auf Entdeckung. Die zwei Etagen des Museums sind leider nicht ausreichende klimatisiert. Es ist nicht die erhoffte Erholung von der Mittagshitze.
Zurück auf den Rädern radeln wir wieder auf die südliche Donauseite. Hier verläuft der Radweg kurz parallel zu einer Autobahn. Dann wird es wieder ruhiger und der Radweg führt direkt am Fluss entlang. Am frühen Nachmittag erreichen wir die Gartenstadt Tulln an der Donau – eine der ältesten Städte Österreichs. Der Zeltplatz liegt hinter der Stadt am Aubad Tulln.
Tulln - Wien (40 km) 

Die letzte Etappe führt in die österreichische Hauptstadt. Am Kraftwerk Greifenstein müssen wir uns entscheiden auf welcher Donauseite wir nach Wien radeln. Wir entscheiden uns für die Fahrt über die Donauinsel. Nach einer weiteren Biegung blicken wir in Korneuburg auf die Skyline der Metropole. Auf einem Rastplatz im Donaulände gönnen wir uns einen Verlängerten und eine kleine Pause.
Wir radeln auf die Donauinsel. Eine 21 Kilometer lange, schlanke Landzunge, die nicht nur vor Überschwemmungen schützt, sondern im Laufe der Jahrzehnte zur liebsten Sommeradresse der Wienerinnen und Wiener geworden ist. Hier wird gewandert, geradelt und gebadet. Es gibt Grill- und Kinderspielplätze. Und eine U-Bahnstation. Freizeitparadies mit U-Bahn-Anbindung. Wir bekommen einen ersten Eindruck wie lebenswert Wien ist.
Weniger lebenswert ist der Campingplatz auf dem wir schließlich landen. Der MICAMPA Donau Wien liegt zwischen Autobahnkreuz und Bahntrassen. Es ist laut. Sehr laut. Eine kleiner Zeltplatz nur für Radfahrer und Wanderer mit kleinem Gepäck. Auf der Donauinsel? Darüber könnte Wien einmal nachdenken.
Den gesamten Track gibt es als gpx-Datei zum Download.




















