Ostseeküstenradweg

Freitag. Anreisetag. Aufgrund schlechter Erfahrungen mit überfüllten Zügen und noch viel volleren Radabteilen legten wir die Anreise auf einen Werktag. Mit dem Quer-durchs-Land-Ticket der DB ging es mit zwei Rädern für 60 Euro auf die Reise nach Lübeck. Die Zugverbindungen im Einzelnen: Dortmund-Minden, Minden-Hannover, Hannover-Uelzen, Uelzen-Lübeck und Lübeck-Travemünde. Die Züge waren relativ leer und weitgehend pünktlich. Viermal Umsteigen und schon standen wir im feinsten Sommerwetter am Hafen in Travemünde.

Nach einer warmen Nacht im neuen Exped Venus II packen wir am frühen Morgen wieder ein, rollen einen kleinen Hügel hinab und wagen am Strand einen Sprung in die Ostsee. Was nicht ganz klappen will. Die Ostsee ist seicht und wir müssen zunächst weit durch das Wasser waten um keinen Boden mehr unter den Füßen zu spüren. Wir trocknen schnell und rollen gut 15 Kilometern nach Wismar.

Frühstück auf dem Campingplatz. Zelt abbauen, Fahrradtaschen packen, weiter gehts... Ein schnelles Foto von der Bäderbahn Molli und plötzlich befinden wir uns in einem traumhaften alten Buchenwald direkt an der Steilküste. Die Stoltera - ein Naturschutzgebiet westlich von Warnemünde - begeistert. Alte Buchen, ein grünes Blätterdach und eine Blick auf ein herrlich blaues Meer mit tiefblauem Himmel.

Kaffee und Brötchen. Schlafsäcke und Thermarestmatten rollen, Zelt einpacken und abschließend die Ortliebtaschen an die Räder hängen. Wir fahren durch das Schwemmland des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft zum Darßer Ort. Hier machen wir Bekanntschaft mit Erichs Platten. Der Weg durch den Darßer Wald ist herrlich, nur zum Radfahren aufgrund der Betonplatten des Weges nicht wirklich ideal. Nach mehr als 200 Kilometern im Sattel macht sich nur auch der Hintern deutlich bemerkbar.

Wir stehen früh auf, damit wir zeitig die Fähre in Barhöft erreichen. Schon kurz nach Sieben sind wir wieder auf den Rädern und fahren entlang der Küste durch Klausdorf Richtung Barhöft. Nach der Fahrt durch einen schönen Küstenwald sind wir kurz vor Acht am Hafen. Vier sehr schöne, kleine Lotsenhäuser, ein kleines Hotel, das Haus des Hafenmeisters. Diesen kontaktieren wir und erkundigen uns nach der Abfahrtzeit der Fähre.

Hiddensee, früher Hiddensö, die Insel der Hedin, ist eine Rügen vorgelagerte Insel im Nationalpark Vorpommerische Boddenlandschaft. Hiddensee ist autofrei. Urlauber müssen ihre Fahrzeuge in Schaprode zurücklassen. Entsprechend viele Parkplätze gibt es dort. Das gilt nicht für uns Radfahrer. Wir nehmen eine Fähre um kurz vor neun. Die Räder sind dabei. Da es auf Hiddensee keine Zeltplätze gibt, erstmals seit Tagen ohne großes Gepäck. Das Zelt bleibt in Schaprode.

Der Morgen überrascht uns mit einem heftigen Gewitter. Zum Glück haben wir schon gepackt. Wir verlängern das Frühstück, lesen im Campingplatzrestaurant Zeitung, trinken große Pötte mit Kaffee und warten auf das Ende des Platzregens. Nach gut 2 Stunden ist es soweit. Die Abfahrt hat sich ein wenig verspätet. Aber dann sitzen wir wieder im Sattel und rollen durch trübes Wetter am Rassower Strom entlang in Richtung Wittower Fähre.

Nach dem Frühstück beginnen wir den Tag mit einem Ausflug zum Königstuhl und dem dortigen Nationalparkzentrum. Mit dem Rad fahren wir durch den als Weltkulturerbe anerkannten Buchenwald zur Stubbenkammer. Von dem gut 140 Meter hohen Felsplateau sind es fast 600 Stufen hinunter zum Strand. Da wir noch recht früh unterwegs sind ist die Anzahl der dortigen Besucher noch im Rahmen. Der Spaziergang am Strand ist beindruckend, die weißen Kreidefelsen über uns wirken majestätisch. 

Nach ausgiebigem Frühstück bauen wir unser Zelt auf dem Monstercampingplatz von Göhren ab. Die Räder tun ihren Dienst. Ab und an ein wenig Öl auf die Kette und Luft in den Reifen - so viel Pflege muss sein. Hier in Göhren steht am frühen Morgen der Rasende Roland in seiner Endstelle. Wir rollen die wunderschöne Halbinsel und das Biosphärenreservat Mönchgut hinab bis nach Lobbe. Auf einem Deich fahren wir entlang der Hagensche Wiek weiter nach Reddewitz.

Wir frühstücken bei strahlendem Sonnenschein in der Altstadt der Universitäts- und Hansestadt Greifswald. So verkünden es die Ortseingangsschilder. Ein hübsches Städtchen mit wenig Leerstand und schön anzusehenden Häusern in der Fußgängerzone. Entlang des Ryck fahren wir aus der Stadt und erreichen bei Wieck den Greifswalder Bodden. Eine historische Ziehbrücke lässt an die Niederlande denken.

Nach einem Ruhetag bei durchwachsenem Wetter rüsten wir uns zum Schlussspurt. Eine letzte Etappe über Usedom zurück auf das Festland nach Anklam, von wo wir dann am Tag drauf die Heimreise ins Ruhrgebiet antreten wollen. Kaffee gibt es am Campingplatz, da die Brennerdüse des Kochers verstopft ist. Bei Sonnenschein fahren wir noch einmal über die Halbinsel Gnitz nach Zinnowitz.

Der Campingplatz in Lütow bleibt für drei Nächte unsere Basis. Um den Ostseeradweg so wie es ursprünglich geplant war auch in Polen in Richtung Danzig weiter zu fahren reicht die Zeit nicht. Wir machen also jetzt einen Ausflug in die polnische Stadt Świnoujście, das ehemalige Swinemünde. Radfahren ohne viel Gepäck. Von der Halbinsel Gnitz geht es nach dem Frühstück zunächst vom Achterwasser an die Ostsee nach Zinowitz.