Im Majuli Cyle Cafe werden auf der Hauptstraße des Örtchens Fahrräder zum Verleih angeboten. Nicht irgendwelche Räder, auch nicht die wunderbaren Hero-Bicycles auf denen die halbe Insel entspannt durch die Gegend cruised. Nein. Für die Touristen soll es was besseres sein. Orangene Mountain Bikes mit einer Schaltung. Die Fahrräder sehen toll aus. Leider sind es die günstigsten Räder, die man im Online Shop von Decathlon Indien bestellen konnte. Baumarkträder. Nach spätestens 6 Monaten Gebrauch zu nichts mehr zu gebrauchen. Zumal auch niemand vorort in die Lage versetzt wurde, die Dinger zu warten. Das Majuli Tourist Office fördert nachhaltigen Tourismus - zumindest auf der schönen Webseite. Aber andere Räder waren nicht verfügbar. Also los.

Schon nach gut drei Kilometern muß die Frau an meiner Seite das Teilnehmerfeld verlassen. Die Folterinstrumente, die auf diesen Rädern als Sattel montiert sind, zwingen Anke noch bevor es richtg los geht in den Besenwagen. Das Rad wird zurückgebracht und ich mache mich allein auf den Weg. Anhand einer Karte am Wegesrand, die ich fotografiere, dem Smartphone mit den Maps.Me und Google Maps Apps und und meinem Garmin Oregon ohne Kartenmaterial mache ich mich auf den Weg. Ich plane eine Rundkurs, habe aber beim Start keinen blassen Schimmer, wie weit die Tour werden wird. Zum Schluß stehen fast 50 Kilometer auf der Anzeige des GPS-Gerätes.

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Ich halte in den vielen kleinen Dörfern immer mal wieder zu einem Pläuschchen an. Nach gut 15 Kilometern höre ich Musik. Ich stelle mein Rad ab und werde zu einer Kulturveranstaltung der Mising eingeladen. Die Mising sind eine Ethnie, ursprünglich in China beheimatet und die von dort in die Berge Himachal Pradeshs und in die Brahmaputra-Ebene Assams gesiedelt sind. Die etwa 800.000 Menschen, die dieser Volksgruppe zugehörig sind, sprechen eine eigene Sprache. Interessanterweise wird die Schriftsprache mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Die Mising besitzen in Indien den Status einer geschützten Minderheit. Ich wurde zum Tee eingeladen und durfte mir Tanzvorführungen zu moderner und traditioneller Musik anschauen. Die Mising leben hauptsächlich von Landwirtschaft und Fischfang. Herausragend sind ihre Webkunst und ihre Trachten. Let`s Dance.

Nach einer Weile setze ich mich wieder auf das Rad. An der Straße gibt es immer wieder kleine Tempel und ich werde eingeladen mir diese anzusehen. In allen Tempel besitzt Hamuman der Affengott und eine Götterabbildung mit einem Vogelschnabel eine zentrale Position. Der Vogelmann Garuda scheint auf der Insel eine besondere Bedeutung zu besitzen. Ein Highlight auf der Radtour war der Besuch eines Klosters, das sich auf die Herstellung traditioneller Masken spezialisiert hat. Die Mönche in diesem Satra stellen für die Festivals im November Masken mit den Abbildungen verschiedener Inkarnationen der Götter her. Die Masken werden aus deinem Bambusgerüst aufgebaut. Dann werden mehrere Schichten Ton aufgetragen, die dann anschließend kunstvoll bemalt werden.

Die letzten 20 Kilometer geraten im Übrigen zur Qual. Obwohl die Strecke sehr schön ist und am Ufer des Brahmaputra entführt, kann ich auf dem elenden Sattel einfach nicht mehr sitzen. Für alle die ein besseres Rad finden oder die Tour mit einem Scooter machen möchten, gibt es hier den Gps-Track zum Download als gpx- oder kml-Datei.

 

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