Kurt Tucholsky

Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie dir an.

Cartagena de Indias. Frauen mit bunten Kleidern als Fotomotiv.

Cartagena de Indias. Der Beiname ist ein Hinweis auf Westindien und Unterscheidungsmerkmal zu spanischen Stadt Cartagena. Die heutige Millionenstadt war eine der ersten Stadtgründungen der Spanier auf dem südamerikanischen Kontinent. Der Brückenkopf in Südamerika - zweimal im Jahr landeten hier große Flotten aus Sevilla an - war frühes Ziel von Sklavenhändlern und Seeräubern. Nach einem Überfall durch den englischen Piraten Sir Francis Drake wurde eine massive 11 Kilometer lange Befestigungsanlage erbaut. Die Festung hielt allen Eroberungsversuchen stand und gilt als unbezwingbar.

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Wir wohnen in einem kleinen Hostel außerhalb der historischen Altstadt in dem weniger mondänen Barrio Torices. Als wir hier auf die Straße laufen, werden wir mehrmals, auch durch die Polizei, ermahnt, unsere Kameras und Smartphones nicht offen zu zeigen. Unser Gastgeber hingegen beschwichtigt. Früher war die Gegend wohl ein heißes Pflaster. Mittlerweile, durch höhere Polizeipräsenz, aber vor allem durch eine verbesserte Lebenssituation der Bewohner, sind Raubüberfälle und Diebstähle seltener geworden. Bei meinem ersten Gang durch die Straßen auf dem Weg zum ATM habe ich kein ungutes Gefühl. Alles ist save. Auch in unserem Viertel.

Cartagena de Indias. Blick auf die Festung San Felipe.

Mit dem Bus sind es gut 20 Minuten bis zur Brücke zur Altstadt. Der befestigte Stadtkern mit den herrlich bunten Kolonialbauten, mit Holzbalkonen und blühenden Kletterpflanzen liegt auf einer vorgelagerten Halbinsel. Viele der kleinen Gassen sind für den Autoverkehr gesperrt, sodass man ohne Stress flanieren kann. Ein wenig störend sind die vielen Straßenhändler, die versuchen ihr kleines Geschäft mit den Touristen zu machen. Aber bei weitem nicht so nervig wie im Vorfeld, nach Berichten anderen Reisender, vermutet. Cartagena ist bunt. Jetzt am frühen Morgen laufen Frauen in bunten Kleidern in den kolumbianischen Nationalfarben durch die Gassen. Auf den Köpfen Schalen mit tropischen Früchten. Das klassische Fotomotiv der Stadt. Für ein Foto stecke ich den Damen 2000 Col zu. Das scheint ausreichend. Sie wirken zufrieden.

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Es ist heiß. Cartagena hat eine Durchschnittstemperatur von fast 30 Grad. An jeden Tag des Jahres, unabhängig von der Jahreszeit. Auch in der Nacht sinken die Temperaturen nur unwesentlich. In einem kleinen Café unweit der Kathedrale machen wir Halt und genießen einen kolumbianischen Kaffee und eine leckere Kokosnuss-Limonade. Das ummauerte Stadtzentrum mit dem Festungsring umfasst die Stadtteile Centro mit der Kathedrale und vielen ansehnlichen Palästen im andalusischen Stil, San Diego, das ehemalige Viertel der Händler und der Bürger, sowie Getsemaní, das Viertel der kleinen Leute und Handwerker. Die Stadt Cartagena wurde 1959 nationales Kulturerbe und ist seit 1984 UNESCO-Welterbe. 

Cartagena de Indias. Straßenverkäuferin auf dem Weg zur Arbeit.

Nördlich der historischen Altstadt befindet sich auf einer weiteren, vorgelagerte Halbinsel das Hotelviertel Bocagrande mit einer ansehnlichen Skyline aus weißen Betonriesen. Vorgelagert Strände mit bunten, schattenspendenden Sonnenschirmen. Die Cartagenos sind großteils Nachfahren afrikanischer Sklaven, die zur Arbeit in den Zuckerrohrfeldern nach Westindien verschleppt wurden. Sie sind ausgesprochen freundlich und haben sich mit den vielen Besuchern der Stadt arrangiert. Am späten Nachmittag laufen wir dann über die Mauern der Befestigungsanlage. Die alten Mauern sind fast durchgehend begehbar und ein beliebtes Ziel für den Spaziergang in den Sonnenuntergang. Es wird wie überall in Äquatornähe schnell dunkel. 

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