Sonnenuntergang am Möhnesee

2009 bin ich mit meiner damals 10-jährigen Tochter den Ruhrtalradweg gefahren. Mit dem blauen Mountainbike, das sie gerade von ihrer Schwester geerbt hatte, sind wir in zwei Tagen von Winterberg nach Duisburg pedaliert. Und jetzt nach 17 Jahren kommt meine Tochter auf mich zu und fragt mich, ob wir dieses Mikro-Abenteuer noch einmal bestreiten. Um 6:41 Uhr besteigen wir den Zug nach Winterberg.

Schienenersatzverkehr ab Bestwig. Zum Glück steht ein Bus mit freundlichem Fahrer einem großen Fahrradanhänger bereit. Seit meinem letzten Besuch hat sich die Stadt verändert. Der alte Bahnhof ist zu einem Bürgerbahnhof mutiert und zwischen Bahnhof und Ortskern steht nun ein riesiges Einkaufszentrum. Nach einem Kaffee im Zentrum radeln wir wieder am Bahnhof vorbei Richtung Ruhrquelle.

Wie schon vor 17 Jahren: Ein kleines Rinnsal in Stein gefasst und der Gedenkstein von 1849. Über Schotterwege geht es bergab. Immer parallel zur Bundesstraße, auf die wir mehrfach ausweichen müssen, da der Radweg gesperrt ist. Das nächstgrößere Städtchen ist Bigge-Olsberg. Hinter der Stadt ist die Beschilderung nicht eindeutig. Wir verlassen das Ruhrtal und landen dann über einen Umweg doch wieder in Bestwig. 

In Meschede gibt es einen zweiten Cappuccino und weil wir so gut vorankommen, entscheiden wir uns für eine Runde um den Hennesee. Die Strecke am östlichen Ufer führt autofrei durch den Wald. Auf der anderen Seite führt der Radweg wenig entspannt entlang der B 55. Wir sind zurück auf dem Ruhrtalradweg. Bis Freienohl führt der Weg an einer viel befahrenen Landstraße entlang. Hier hat sich in den letzten 17 Jahren nichts getan. Mit Kindern ist diese Route auch heute kein Vergnügen.

Und jetzt weichen wir von der alten Route ab. Über den Hauptkamm des Arnsberger Waldes wollen wir zum Möhnesee. Eine anstrengende Idee. Irgendwann ist es so steil, dass ich absteige und das Rad mit Gepäck den Schotterweg hinaufschiebe. Jetzt kehren sich die Verhältnisse um. Ich leide, während meine Tochter keine Probleme mit der Steigung hat. Die Abfahrt in das Tal der Möhne ist lang. Leider kann man nicht rollen lassen. Der grobe Schotter zwingt zu Aufmerksamkeit und stetigem Abbremsen. Nach fast 100 Kilometern erreichen wir den Campingplatz am Südufer der Möhne. Das Zelt ist schnell aufgebaut und dann belohnen wir uns mit Speis und Trank.

Am Morgen des zweiten Tages wird schnell klar, dass wir nicht erst warten, bis der Imbiss am Campingplatz öffnet. Wir packen die Sachen auf die Räder und radeln ohne Kaffee los, lange bevor der Laden überhaupt aufmacht. Am Südufer der Möhnesees fahren wir in Richtung Kanzelbrücke, um dort auf den Pengel-Anton-Radweg zu stoßen. In sanften Kurven geht es auf der alten Bahntrasse hinauf auf den Haarstrang, um dann die lange Abfahrt ins westfälische Soest zu genießen. Auf dem Marktplatz belohnen wir uns mit einem tollen Frühstück.

Es ist heiß. Die Sonne brennt und erste Gewitter deuten sich an. Wir beschließen nicht mehr ganz bis nach Dortmund zurückzuradeln, sondern die Tour in der Wallfahrtsstadt Werl enden zu lassen.

Den Track von Winterberg nach Werl gibt es zum direkten Download oder bei Komoot (Tag 1, Tag 2)

Impressionen

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