Sauerland. Ausgestanzter Schrift auf einer Bank im Herbstlaub

Der Alme Radweg ist ein gut 60 Kilometer langer Radweg zwischen der Kreisstadt Brilon und Paderborn. Tag der Deutschen Einheit. Der Wetterbericht prognostiziert einen warmen sonnigen Herbsttag. Über Hagen ist man in weniger als zwei Stunden mit der Bahn im Hochsauerlandkreis. Entgegen meiner Befürchtung ist das Fahrradabteil angenehm leer. Mit zwei weiteren Radfahrern auf dem Weg zum Pengel-Anton-Radweg teile ich mir das geräumige Radabteil.

Der Briloner Bahnhof liegt etwas außerhalb der Kernstadt. Auf der Suche nach einem Kaffee pedaliere ich in die Fußgängerzone zum Marktplatz. Es geht einige Meter bergauf. Einen geöffneten Bäcker finde nicht. Aber der ansehnliche Marktplatz mit seinem barocken Rathaus aus dem Jahr 1280 und die hübsch restaurierten Fachwerkhäuser entschädigen für den entgangenen Kaffee. Es ist Feiertag. Brilon schläft noch. Zurück zum Bahnhof - denn hier beginnen sowohl der Radweg durch das Möhnetal als auch der Alme-Radweg.

Auf den ersten Kilometern teilen sich beide Radwege die gut ausgeschilderte Strecke. Dann geht es hinauf in das Dorf Alme. Der Scheitel der Tour ist erreicht. Jetzt geht es nur noch bergab. Der Fluss Alme entspringt in einem Quellteich der durch umliegende Bäche gespeist wird. Sehenswert ist das Schloss Alme mit zugehörigem Schlosspark. Der Almeradweg ist kein klassischer Bahntrassenradweg. Die Bahnstrecke Brilon - Paderborn ist im oberen Teil noch in Betrieb und wird für den Güterverkehr und für Museumsfahrten genutzt. Der Radweg wird parallel zur Bahnstrecke auf Wirtschaftswegen geführt.

Wegen Brückenbauarbeiten ist eine Umleitung ausgeschildert. Auf der Landstraße 637 darf ich bei wenig Verkehr auf guten Asphalt bis nach Harth pedalieren. Auf wassergebundenen Decken geht es bis nach Siddinghausen. Dann ist Büren erreicht und ich bekomme auf dem Marktplatz endlich meinen lang ersehnten Kaffee. Büren ist eine Stadt der Schulen. Sehenswert ist das Mauritius-Gymnasium im ehemaligen Jesuitenkolleg. Die Kirche ist geöffnet und ich habe die Möglichkeit, mir die Deckenfresken anzusehen.

Kurz nach Büren ist von dem Flüsschen Alme nicht mehr viel zu sehen. Das Flussbett liegt trocken. Ich vermute eine Folge des langen heißen Sommers. Aber es ist anderes. Der Fluss versickert im Karst in Schwalglöcher und tritt dann in den Hederquellen bei Salzkotten wieder zu Tage. Von der Alme ist nur noch das trockengefallene Bett zu sehen. 

Rote Sommenblume in einem Blühstreifen am Wegesrand

Oberhalb des Flussbettes liegt die Wewelsburg. Die markante Dreiecksburg hat eine lange Geschichte. Das heutige Gebäude wird 1609 auf einer Erhebung oberhalb der Alme errichtet und diente dort lange als Residenz des Fürstbischofs von Paderborn. Nach der Säkularisierung im Jahre 1802 fiel die Burg zunächst an das Land Preußen und dann an die Stadt Büren. 1933 machte der frühe Nationalsozialist Alfred von Oeynhausen Heinrich Himmler auf die Wewelsburg aufmerksam, der diese dann zur SS-Ordensburg ausbaute. Im Mittelpunkt stand der esoterische Rassenwahn der Nationalsozialisten und die Schulung von SS-Schergen. Gegen Ende des Krieges wurde die Burg auf Befehl Himmels gesprengt und brannte vollständig aus. Nach dem Wiederaufbau beherbergt die Burg heute eine Jugendherberge, das Kreismuseum und die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg. Wer die Burg besichtigen möchte, sollte sein Rad unten an der Alme stehen lassen und die Burg zu Fuß erklimmen.

Zurück auf dem Rad. Die Weg führt durch Niedertudorf in Richtung Borchen. Landschaftlich prägend sind hier Kopfweiden, deren Zweige früher wirtschaftlich genutzt wurden. Wer die Tour abkürzen möchte, kann kurz hinter Borchen schon zum Paderborner Hauptbahnhof abbiegen. Der Weg ist ausgeschildert. Ich entscheide mich für die komplette Tour und radel bis zum Paderborner Stadtteil Schloss Neuhaus. Hier münden die Alme und die Pader im Abstand von nur 500 Metern in die Lippe. Am Residenzschloss führt mich ein Radweg entlang der Pader in die City von Paderborn. Der kürzeste Fluss Deutschlands entspringt in mehr als 200 extrem wasserreichen Quellen direkt in der Innenstadt der Bischofsstadt.

Streckenverlauf

Wer den Radweg nach radeln möchte, findet den Track zum Download und auf Komoot.

Impressionen

14-alme-radweg
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17-alme-radweg
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11-alme-radweg
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06-alme-radweg
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05-alme-radweg
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