Alexander von Humboldt

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.

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Der Abenteurer Rüdiger Nehberg schrieb Ende der 70er Jahr das Buch "Danakil. Zu Fuß durchs Höllenloch der Schöpfung". Dieses Buch ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass mein Reisegefährte Volker nun mit mir in diese unwirtliche Landschaft reist. Ganz so abenteuerlich wie im letzten Jahrhundert ist es allerdings heute nicht mehr. Täglich starten kleine Expeditionen um auf drei- bis viertägigen Touren diese Wüstenregion zu entdecken. Wir sind eine Reisegesellschaft von 20 Personen - verteilt auf 5 Toyota Land Rover. Hinzu kommt ein Fahrzeug für die Crew. Die Fahrzeuge sind durchnummeriert. Wir sind mit zwei jungen Israelis, Nachfahren äthiopischer Juden, in Wagen Nummer Fünf.

Die Danakil-Senke, nach dem dort lebenden Volk der Afar auch Afar-Dreieck genannt ist einer der unwirtlichsten Gegenden dieses Planeten. Hier treffen drei aktive Grabenbrüche aufeinander. Die Erdkruste dehnt sich infolge der Kontinentaldrift, die Erdplatten an den Grabenbrüchen streben auseinander und der afrikanische Kontinent wird hier und im weiteren Verlauf des Rift-Valleys geteilt werden. Die Depression liegt bis zu 125 m unter dem Meeresspiegel und es werden hier mit die höchsten je auf dieser Erde gemessenen Temperaturen erreicht. In dem extrem niederschlagsarmen Gebiet wurden schon Bodentemperaturen bis zu 70 Grad Celsius gemessen. Der Buchtitel Nehbergs trifft daher sehr gut. Ein wahres Höllenloch der Schöpfung.

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Unsere kleine Expedition startet am späten Samstag morgen vor dem ETT Office am Atzey Johannes Hotel in Mekele. Die Partnerstadt von Witten an der Ruhr und Hauptstadt des Bundesstaates Tigray präsentiert sich als moderne Universitätsstadt mit vielen netten Cafés und Bars. Wir fahren zunächst in Richtung Agula. Hier stoppen wir für einen Kaffee. Das Wetter ist bewölkt und bald winden wir uns in vielen Kehren hinab in die Danakil-Wüste. Auf dem Weg kommt uns eine Salzkarawane entgegen. Die etwa 20 Kamele sind mit Salzplatten bepackt und transportieren das Salz in das abessinische Hochland. Unten angekommen fallen sofort die Bewohner in Auge. Die Afar sind nomadische Muslime, die vom Salzhandel und Ihren Viehherden in der kargen Wüste leben. Die Männer tragen eine Art Lunghi. Frauen sieht man nicht auf der Straße. Mit einem Wert von 0,397 im Jahr 2015 hat die Region Afar den niedrigsten Index der menschlichen Entwicklung Äthiopiens. Das entspricht dem Wert von Somali. dem Niger und der Zentralafrikanische Republik - einsame Schlußlichter diese Wohlstandsindikators.

In Berhale ist Lunchtime. In einem Holzverschlag gibt Spaghetti mit Tomatensoße. Ein echtes All-inclusive Arrangement - Bier und Softdrinks werden gesondert berechnet. Parallel zur neuen von Chinesen erbauten Straße wird von einem türkischen Kosortium eine Stromtrasse errichtet. Soweit das Auge reicht, reihen sich Strommasten aneinander. Das gab es hier zu Zeiten Nehbergs mit Sicherheit noch nicht. Die Vegetation wird immer karger. Unser Fahrer macht uns auf alte Fässer am Wegesrand aufmerksam. In den Fässern lagert Trinkwasser. Lebensnotwendig für die Karawanen in dieser lebensfeindlichen Umgebung.

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Bei einem ersten Stopp laufen wir ein wenig in die Wüste. Viele Fossilien und versteinerte Korallen weisen darauf hin, dass dieser Teil der Wüste einmal von Meer bedeckt war. Am frühen Abend erreichen wir den Salzsee und fahren zunächst zu zwei Salzwasserbecken in der der Salzwüste. Ab in die Badehose und hinein in die Salzlake. Wie im Toten Meer, wird man von Salz getragen. Den Sonnenuntergang erleben wir dann am Karumsee. Reflektionen und Schattenspiele erinnern an Bolivien und den Salar de Uyuni. Die Crew köpft einige Flaschen äthiopischen Rotwein und wir tanzen in den Sonnenuntergang. Welch ein Kontrast zum Leben der einheimischen Bevölkerung.

Wir schlafen auf einfachen Betten unter dem Sternenhimmel. Es ist reichlich windig und die Fahrzeuge dienen als Schutz vor dem Wind. Die Sterne funkeln verhalten durch die wolkenverhangene Nacht. Noch im Dunkeln werden wir geweckt und nach einem kleinen Frühstück sitzen wir wieder in den Geländewagen und rollen in Richtung Dallol. Der Gestank von Schwefel liegt in der Luft. Dallol ist ein geothermisch aktives Gebiet. Wir verlassen die Fahrzeug und laufen zum Colorful Place. Hier bilden Salze, Mineralien und Schwefel bizarre Farben und Formen. Es dampft und blubbert aus vielen kleinen Fumarolen. Alte Rohre zeugen davon, das hier im 2. Weltkrieg von Italienern versucht wurde, Mineralien industriell zu abzubauen. Ein gescheitertes Unterfangen. Mich erinnern die rostigen Rohre an den Schwefelabbau im Vulkan Ijen auf Java. In Salzcanyons hat sich das Salz zu meterhohen Bergen aufgetürmt und bildet seltsame Formen. Nach dem Besuch eines blubbernden Magnesiumsees verlassen wir das Gebiet an der Grenze zu Eritrea.

Auf dem Weg zum Vulkan Erta Ale stoppen wir an einer Salzkarawane, Hier werden quadratische Salzplatten geschnitten und auf Kamel gepackt, die dann mit der Fracht 7 Tage ins Hochland bei Mekele wandern. Hier in der Salzwüste kostet die 20 Kilo schwere quadratische Platte 7 Birr. Der äthiopische Staat erhebt eine Steuer von 2 Birr. Oben in den Bergen wird die Salzplatte dann für gut 50 Birr - umgerechnet keine 1,50 € - weiterverkauft. Ein Jahrtausende altes Geschäft, das in heute durch viele LKWs, die größere Mengen Salz in viel kürzer Zeit transportieren können, bedroht ist. Noch gibt es die Salzkarawanen, aber es scheint eine Frage der Zeit, bis die letzen Salzhändler angesichts maschineller und motorisierter Konkurrenz das uralte Gewerbe aufgeben. Als wir die Danakilwüste verlassen, passiert das Unglaubliche: Es beginnt zu regnen. Nur wenige Tropfen, aber es regnet.

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Auf dem langen Weg zum Vulkan Erta Ale essen wir in einem vermüllten Dorf zu Mittag. In einem weiteren Dorf trinken wir Kaffee. Ein Dreckskaff an der Straße nach Djibouti. Die Männer kauen und handeln mit Kath. Frauen versuchen bei den Fernfahrern mit Prostitution ein Einkommen zu erwirtschaften. Kinder spielen im Plastik am Straßenrand. Um 20:00 Uhr erreichen wir im Dunkeln das Basecamp am Vulkan. Der Vulkan Erta Ale ist einer von nur wenigen Vulkanen weltweit, in dessen Caldera sich ein aktiver Lavasee befindet. Der Krater hat einen Durchmesser von 50 m und ist 85 m tief. Die Lava des Sees ist ebenfalls oberflächlich erstarrt, durch die Konvektion zerbricht sie in dünne Platten, die über den See treiben. Die Prozesse, welche Entstehung und Bewegung dieser Platten steuern, entsprechen in ganz kleinem Maßstab der Kontinentaldrift und Plattentektonik. Als wir am Abend den Rand des Kraters erreichen ist von dem Lava-See nur wenig zu sehen. Am Boden glühen rote Glutnester. Aber Rauch und Dampf verhindern die freie Sicht auf das Geschehen.

Am frühen Morgen versuchen wir es noch einmal. Wir steigen gut 60 Minuten hinauf zum 615 Meter hochen Kraterrand. Aber auch jetzt nach Sonnenaufgang sehen wir nichts von diesem außergewöhnlichen Naturschauspiel. Wie am Abend verdeckt Dampf und Rauch den Blick in den Krater. Zurück im Basecamp ein kleines Frühstück und dann sitzen wir auch schon wieder in den Toyotas. Der letzte Stopp ist am Salzsee Lake Afrera. Am Ufer des Sees unweit des Ortes Afera gibt es heiße Thermalquellen. Dann am Nachmittag die lange Rückfahrt in die Zivilisation-


 

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