Johann Wolfgang von Goethe
Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.

Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.
Schaut man aus der goldenen Stadt Jaisalmer in die Wüste, sieht man dort seit einigen Jahren Windkraftanlagen, so weit das Auge reicht. Auch wenn man mit dem Jeep in die Thar hinausfährt, um eine der berühmten Kamelsafaris zu machen, quert man einen Wald von Windrädern. Hunderte, wenn nicht Tausende von modernen Windenergieanlagen wurden hier vor einigen Jahren installiert. Bei dem ständigen Wind, der durch die Wüste fegt, eine gute und sinnvolle Idee.
Als wir in Jodhpur aus dem Zug steigen, wartet schon der Tuk Tuk-Fahrer auf uns. Die Stadt wirkt erstaunlich sauber und vergleichsweise leise. Nach dem Mittagsschlaf, um die Hitze des Tages zu überbrücken, laufen wir in die Stadt. Rund um den Uhrenturm gibt es einen städtischen Markt. Gleich am Anfang ein Juice- und Lassishop, der damit wirbt, im Lonely Planet und anderen Guidebooks genannt zu sein. Leider ist die Mangosaison vorüber. Also wird es ein Ananassaft ohne Eis und ohne extra Zucker.
James Bond in Oktopussy ist sehr wahrscheinlich kein Fahrrad gefahren. Wir haben auch nicht im Taj Palast Hotel gewohnt. Unsere Behausung war nur minimal einfacher, bot aber immerhin einen Blick auf die legendäre Residenz mitten im Pichhola Lake. Udaipur ganz im Süden des indischen Bundesstaats Rajasthan ist eine der beliebtesten, touristischen Ziele in ganz Indien. Und das nicht nur für ausländische Touristen. Auch den hitzegeplagten Inder aus den großen Metropolen zieht es gerne in die auf etwa 500 Höhenmetern gelegene Stadt.
Wenn du dich für ein Feierabendbier auf die Dachterasse deines Hotels begibst, hörst du den Sound von Pushkar. Wenn du am Abend in dein Bett fällst und für eine kurze Zeit den Ventilator ausschaltest, hörst du den Klang dieses heiligen Ortes. In der Luft hängt das Chanten und Singen der Menschen, der Satsang der Priester, die Puja halten. Dieser Sound ist einmalig. Angenehm, nicht aufdringlich und er übertönt sogar den ewigen Wettstreit zwischen dem Hupen der Tuktuks und dem Geplärre der Lautsprecher in Indien.
Unsere Reise wandelt auf den Spuren großer Astronomen. Nach dem Besuch des berühmten Aufklärers und Astronom Ulug Beg in Samarkand, ist es heute der Maharadscha Jai Singh II., der unsere Aufmerksamkeit bekommt. Ja Singh, der Gründer der Stadt Jaipur, baute zwischen 1724 und 1734 in Delhi, Ujjain, Mathura, Varanasi und eben hier in Jaipur fünf Observatorien, um den Himmel zu erkunden.
Es regnet in Jaipur. Die berühmte Pink City präsentiert sich in einem schmuddeligen Braunorange. Ich frage mich, welcher Farbenblinde auf die Idee kam, der Stadt diesen Beinamen zu geben. Jaipur ist groß. Jaipur ist laut. Und Jaipur leidet unter einem Verkehrskollaps, der da durch noch verstärkt wird, dass in den Straßen tiefen Löcher für den Bau einer Metro klaffen.
Tag 2 in Jaipur. Es regnet noch. Wir können uns erst gar nicht aufraffen, etwas zu unternehmen. Dann besteigen wir aber doch ein Tuk Tuk und lassen uns zum Affentempel Galwar Bagh kutschieren. Als wir Ankommen laufen wir zunächst den Weg zum Sonnentempel hinauf. Feine Ironie. Es regnet Bindfäden und wir sind platschnass. Auf dem Weg dahin hunderte kleiner Hanuman Languren, darauf wartend, von Pilgern und Besuchern gefüttert zu werden.