Friedrich Rückert

Nur aufs Ziel zu sehen, verdirbt die Lust am Reisen.

011 Tren a las Nubes

Tren a las Nubes Die legendäre Bahnstrecke zwischen Salta und Antofagasta ist eine der höchsten Bahnlinien der Welt. Die Passhöhe beträgt über 4500 Meter. 1921 erbaut verbindet die Strecke Argentinien mit Chile und überwindet die Anden. Leider wird auf der Strecke kein regulärer Personenverkehr mehr angeboten. Die regelmäßige Verbindung wurde schon in den 80er Jahren eingestellt. Danach wurde die Strecke für den Güterverkehr genutzt. Heute gibt es nur noch ein touristisches Angebot. Bis San Antonio del Los Corres fährt man parallel zur alten Bahnstrecke mit dem Bus. Dann wird in den Zug umgestiegen.

In Salta  hat in der Nacht wie aus Eimern geschüttet. Um halb sechs klingelt der Wecker und nach einem schnellen Frühstück fahren wir mit dem Taxi zum Bahnhof. Hier warten die Busse. Wir kriegen ein rotes Bändchen und werden folgerichtig in den roten Bus gesetzt. Bis es los geht, dauert es. Die Straße ist gesperrt, es hat sich ein schwerer Unfall ereignet. Nachdem die Strecke durch die Polizei freigegeben ist, setzen sich fünf Busse in Bewegung. Begleitet von einen Ersatzbus, einem technischen Servicefahrzeug und einem Krankenwagen.

Salta liegt auf 1200 Metern über dem Meeresspiegel. Das Ziel unserer Tagestour gut 3000 Meter höher. Auf dem Weg hinauf durch den Canyon los Tores halten wir mehrfach. Fotostopps und zweites Frühstück. Sehr schön anzusehen sind die bis zu acht Meter hohen Kakteen links und rechts der Straße. Um 14 Uhr erreichen wir den Bahnhof von San Antonio del los Corres. 3750 Meter über Normalnull. Wir kauen Kokablätter. Das soll gegen die Höhenkrankheit helfen. Schmeckt wie Heu, regt die Speichelproduktion an und macht einen leicht betäubten Mund. Besser schmecken die knallgrünen Kokabonbons. Ob es wirklich gegen die Höhe hilft?

013 tren a las nubes

Der Zug Tren del las Nubes besteht aus 5 Waggons, die von einer Diesellok gezogen werden. Im Zug gibt es große Panoramafenster und für medizinische Notfälle Sauerstoff. Langsam setzt sich der Zug in Bewegung. Unser Ziel ist der 15 Kilometer entfernte Viadukt Lassen Polvorilla. Stahlfachwerk  63 Meter hoch und 230 Meter lang. Und das auf einer Höhe von über 4200 Metern. Als wir mit dem Zug den Viadukt passieren ertönt der Triumpfzug aus Aida. Kitschiger geht es kaum. Der Zug fährt zwemal über den Viadukt damit alle Passagiere von beiden Seiten die begehrten Fotos machen können.

Dann stoppt der Zug und wir steigen aus. Vor dem Zug wartet eine Heerschar von Souvenirverkäufern. Es werden gestrickte Pullover, Mützen und Handschuhe feilgeboten. Polyester statt Alpaka. So scheint es zumindest. Plötzlich wird die wirklich sehr schöne argentinische Fahne gehisst und aus den Zuglautsprechern tönt die Nationalhymne. Die Mitreisenden, es sind vornehmlich argentinische Touristen, fassen sich ans Herz und singen lautstark und voller Inbrunst mit. Es geht also doch noch etwas kitschiger.

Kommentare powered by CComment