• Franz Kafka

    Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.

Montanindustrie an der Donau

Ok. Der Vergleich hinkt. Aber wenn man sich von Süden an der Donau der Stadt nähert, sind Parallelen schon vorhanden. Hochöfen, Schlackenhalden, die Wolkenmacher der Kokereien, Gasometer. An der Donau wird Kohle und Eisenerz angelandet. Nicht viel anderes als würde man von Orsoy kommend nach Ruhrort radeln. Und bei vorherrschendem Südostwind sieht man deutlich einen Dunstschleier über der Stadt.

Wir kommen bei unserem Besuch aus nordwestlicher Richtung. Hier gibt es keine Industrie. Zwischen Kürnbergerwald und Pöstlingsberg schlängelt sich der Strom, der die oberösterreichische Stadt prägt, durch ein enges Tal. Als wir am nördlichen Ufer in die Stadt hinein radeln, wird gerade der Urfahraner Frühjahrsmarkt abgebaut. Die Radwege am Ufer sind wieder freigegeben. Zweimal im Jahr verwandelt sich das Donaulände in den ältesten und größten Jahrmarkt des Landes.

Der Zeltplatz liegt auf einer Wiese des Eisenbahn Kajak- und Ruderverein Donau Linz zwischen der Eisenbahn und Voestbruecke. Auf einer kleinen Zeltwiese am Naturfreundeweg ist unser kleines grünes Zelt schnell aufgebaut. Auf geht es Linz zu erkunden. Ohne Gepäck radeln wir mit den Brompton Falträdern über die Brücke in den Hafen. Es ist Sonntag und im Hafen ruhen Verkehr und Geschäftigkeit. Eine gute Zeit sich den Mural Habor anzuschauen – eine der größte Graffiti-Galerien Europas. Bis zu dreihundert zum Teil überdimensionale Straßenkunstwerke gibt es zu bestaunen.

Der Hunger treibt uns in Richtung der inneren Stadt. Eine Schönheit ist die Stadt nicht. Noch eine Ähnlichkeit zum Ruhrgebiet. Als bedeutender Standort der Rüstungsindustrie wurde Linz mehr als zwanzigmal zum Ziel alliierter Bomber. Bei den Angriffen wurden auch zivile Ziele in Mitleidenschaft gezogen. Nach Ende des 2. Weltkrieg war gut 30 Prozent des Stadtgebiets beschädigt oder zerstört. 

Blick über die Donau auf die Stadt Linz

Am Hauptplatz – einem großen barocken Stadtplatz – merkt man davon nichts. In der Mitte des Platzes steht die Dreifaltigkeitssäule aus weißem Marmor. In den Cafés sitzen Touristen und erwärmen sich nach dem Regenwetter der vergangenen Tage am zarten Schein der Sonne. Wir klappen die Falträder zusammen und steigen in einen historischen Wagen der Pöstlingbergbahn. Auf dem 539 Meter hohen Hausberg der Stadt Linz thront die Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariä. Von der Aussichtsplattform des Cafe Jindrak schweift unser Blick bei einem Stück Linzer Torte über die Stadt bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Alpen.

In rasanter Abfahrt geht es zurück in die Stadt. Am Ars Electronica Center vorbei pedalieren wir über die Nibelungenbrücke zu einer Wiese zwischen dem Lentos Kunstmuseum und dem Brucknerhaus. Das Strandcafé Sandburg verführt uns zu einem Feierabendbier und im Liegestuhl genießen wir die Vorboten des nahen Sonnenuntergangs. Und da gibt es dann doch noch eine Parallele zum Ruhrgebiet. Linz ist Stahlstadt. Eine Stadt der Arbeiter. Und dann gibt es den Strukturwandel und die Idee sich neu erfinden zu müssen. 

Als Europäische Kulturhauptstadt 2009 wurde Fokus auf Kunst und Kultur gelegt. Das Ars Electronica Festival für Computerkunst trägt seinen Teil bei. Linz ist auch eine junge Stadt mit vielen Studenten. Linz bietet mit 5 Universitäten, zwei Pädagogischen Hochschulen und zwei Fachhochschulen eine äußerst breite Bildungslandschaft. Weit über 30.000 Menschen studieren in der Stadt. Von Technik, Recht und Medizin über bildende Kunst und Design bis hin zu Musik, Schauspiel und Theologie wird hier ein breites Bildungsspektrum angeboten.

Und wenn ihr in der Stadt seid: lasst den Abend auf dem Salonschiff Florentine am Urfahraner Ufer ausklingen.

Impressionen

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