Kurt Tucholsky

Wer die Enge seiner Heimat begreifen will, der reise.

Ballonfahren in Luxor

Es ist 4:30 Uhr als der Wecker klingelt und uns aus dem Schlaf reißt. Mit uns steigen drei junge Damen aus Kairo in den Minibus. Drei kolumbianische Touristen aus Bogota kompletieren unsere kleine Reisegemeinschaft. Es ist kalt an diesem 2. Januar auf der Westbank in Luxor. Aus dem Radio plärrt zu dieser frühen Uhrzeit in Dauerschleife der religiöse Singsang eines islamischen Predigers. An der Bootsanlegestelle warten bereits viele weitere Minibusse. Als alle Ballonfahrer in der Bussen sitzen, kann es los gehen.

Der Startplatz der Heißluftballons liegt auf einer staubigen Freifläche unterhalb des Hatschepsut-Tempels. Es ist noch dunkel. Nur schemenhaft sind die großen Körbe und Hüllen der vielen Ballons sichtbar. Dann geht es plötzlich ganz schnell. Raus aus den Bussen. Viele helfende Hände machen die Ballons startklar: Mit mehrern großen Ventilatoren wird zunächst Luft in die bunten Hüllen der Ballons geblasen. Die schlaffen Hüllen füllen sich langsam mit Luft. Dann flammen vereinzelt Lichter auf. Die großen Brenner erwärmen unter lauten Grollen die Luft in den Ballonhüllen und nach und nach richten sich die riesigen Heißluftballons zu voller Größe auf. Unter den Ballons hängen etwa acht Meter lange Körbe unterteilt in neun einzelne Parzellen. Je vier außen für jeweils drei Ballonreisende. In der Mitte der Kapitän in schmucker Uniform der ägyptischen Luftwaffe mit den Gasflaschen und den Hightechbrennern über seinem Kopf. Der Pilot spricht unablässig in ein Funkgerät in hält Kontakt mit der Flugsicherung am Flughafen Luxor. In den Korb unter unserem regenbogenfarbenen Ballon klettern 24 Menschen.

Neben uns flammen überall die Brenner auf und erste Montgolfieren erheben sich in den Himmel. Dann bekommen auch wir das Ok der Flugsicherung und unser Ballon erhebt sich langsam in die Morgenluft. Es ist ein ruhiges Schweben. Nur machmal unterbrochen durch eine korrigierenden Aufflammen über uns. Der Wind gibt die Richtung vor. Wir fahren sanft mit mehr dreißig weiteren Ballons über die grünen Zuckerrohrfelder und Bananenplantagen. Der Westwind befördert uns in Richtung Nil. Alle Ballons halten einen Mindestabstand und gleiten in unterschiedlicher Höhe dahin. Es gibt keine Möglichkeit dem Ballon eine gesteuerte Richtungsänderung zu geben. Der Wind bestimmt Richtung und Geschwindigkeit unserer Ballonfahrt. Der Kapitän steuert die Höhe unserer Fahrt. Betätigt er die Brenner gewinnt der Ballon recht schnell an Höhe. Durch eine Seilkonstruktion kann die Ballonhülle oben geöffnet werden sodaß die heiße Luft entweichen kann. Der Ballon sinkt wieder.

Wir steigen auf eine Höhe von ca. 600 Meter, obwohl man die Höhe aus dem Ballon schlecht abschätzen kann. Ich vermeide es nach unten zu schauen und trotz meiner Höhenangst geniesse die Fahrt in den Sonnenaufgang weitgehend. Nur wenn es wie in einem Aufzug schnell nach oben geht, überkommt mich ein leichtes Unwohlsein. Ich halte mich an meinem Smartphone fest und filme und fotografiere unablässig. Zum Glück lese ich erst im Nachhinein vom schlimmsten Unglück der Ballonfahrgeschichte, das sich 2013 hier in Luxor ereignete. 19 Personen kamen ums Leben als sich ein Ballon entzündet, abstürzte und explodierte. Unser Ballon schwebt sanft über den Nil und die erwachende Stadt. Am Horizont geht über der Arabischen Wüste langsam die Sonne auf. Ein großer Feuerball schiebt sich über die kargen östlichen Berge.

All die vieln Ballons müssen nun ein sicheren Landeplatz finden. Der ägyptische Kapitän hält permanent Kontakt zu einen Team im Minibus und dirrigiert die Helfer aus der Luft. Wir schweben in etwa 30 Höhe über die grünen Felder und vereinzelt auch über die Dächer von kleinen Ortschaften. Dann steht die Landung an. Der Pilot gibt uns Instruktionen wie wir uns zu verhalten haben. Wir kauern uns in den Korb und können nur noch durch die Steiglöcher unsere Landung beobachten. Wir haben kurz die Befürchtung in einem Bewässerungskanal zu landen, aber der Kapität beherrscht sein Handwerk und bringt ein Ballon nahe eines Wirtschaftsweg in einem Zuckerrohrfeld zu Boden. Helfende Hände ziehen den Ballon an Seilen auf den Weg. Während die Hüllen langsam schlaff wird und zu Boden sinkt, steigen wir aus dem Korb und haben wir festen Boden unter den Füßen. Die Ballonfahrertaufe ist bestanden.