Alte chinesische Lebensweisheit

Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt. 

Simien Mountain Nationalpark 01

Unsere Reisegesellschaft in den Simien-Nationalpark besteht aus acht Personen. Wir sind sechs deutsche und zwei taiwanesische Staatsbürger. Gegen 9 Uhr hält ein Minibus vor dem Sycamore Hotel in Gonder und während der gut einstündigen Busfahrt nach Debark machen wir uns bekannt. Hier in Debark am Fuße der Simien Mountains müssen wir uns im Office des Nationalparks registrieren. Zwei bewaffnete Guides und ein Koch komplettieren unsere Wandergruppe.

Der Nationalpark Simien Mountains besteht schon seit 1969 und wurde 1978 als erste Weltnaturerbestätte Äthiopiens in die Liste des UNESCO-Welterbes eingetragen. Der Simien-Nationalpark im Norden Äthiopiens ist eine spektakuläre Naturlandschaft, in der starke Erosion im Laufe von Jahrmillionen zerklüftete Berggipfel, tiefe Täler und markante Steilhänge geschaffen hat. Der Park umfasst Höhenlagen von 2000 bis über 4500 Meter über dem Meeresspiegel. Einige Steilwände erreichen eine Höhe von bis zu 1500 Metern und die nördliche Felswand, an der wir entlang wandern werden, erstreckt sich über fast 35 Kilometer. Die Berge werden von tiefen Tälern im Norden, Osten und Süden begrenzt und bieten weite Ausblicke über die zerklüftete Schlucht sowie die untere Tiefebene. Die spektakuläre Kulisse der Simien-Berge erinnert an den Grand Canyon oder den Charyn Canyon in Kasachstan.  Im Nationalpark leben mit dem äthiopischen Steinbock, den Dschelada-Pavianen und den äthiopischen Wolf einzigartige endemische Tierarten.

Simien Mountain Nationalpark 01

Nachdem wir gegen Mittag die Simien Logde, mit über 3250 Metern die höchste Lodge Afrikas passiert haben, laufen wir los. Doch zunächst machen an einen spektakulären Aussichtspunkt Rast. Mit Blick auf einen Wasserfall und darüber kreisende Lämmergeier verzehren wir unsere Lunchpakete. Und danach geht es dann wirklich los. Wir laufen einen steilen Anstieg hinauf bis zur Straße die wir dann alsbald wieder verlassen. Dann geht stetig bergauf. Nach etwa fünf Stunden bergauf laufen, erreichen wir das Camp Geech. Hier gab es ursprünglich mal ein Dorf. Heute stehen hier Zelte und einige Hütten in denen fleißige Köche schon das Abendessen bereiten. Unser Gepäck ist bereits angekommen und wir bereiten nun unsere Schlaflager in den Zelten. Danach geht es aber noch einmal los.

Gegen Abend suchen die Dschelada-Paviane ihre Schlafhöhlen in denen Steilwänden auf. Wir steigen zum Sonnenuntergang noch einmal hinauf an die Kante und warten dort auf das Eintreffen der Tiere. Und plötzlich sind sie da. Etwa 400 - 500 Blutbrustpaviane kommen den Berg hinauf und wandern ganz an uns vorbei. Die Baboons sind friedlich und ignorieren die Touristen mit ihren Kameras und Smartphones. Als es dunkel wird und die Dscheladas in der Steilwand verschwunden sind, laufen wir hinab zum Lager. Dort gibt es noch ein Abendessen. Allerdings ist es nach Einbruch der Dunkelheit schnell sehr kalt geworden. Schon um 20:00 Uhr verschwinden wir in die Zelte und Schlafsäcke. Das Thermometer hat hier auf fast 4000 Metern bereits die Nullgrad-Marke unterschritten.

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, ist es minus 6 Grad und auch der heiße Tee wärmt nur bedingt. Gegen 7 Uhr laufen wir los. Es geht einen langgezogenen Bergrücken hinauf. Bald schon erspähen wir einen äthiopischen Wolf, der uns in sicherer Entfernung bei unserer Wanderung begleitet. Jetzt fehlt mir ein optisches Tele. Zu gern hätte ich das rötliche Tier herangezoomt. An einem Viewpoint machen Pause. Die Sonne steht mittlerweile hoch am Himmel und schenkt uns nötige Wärme. Unser Blick gleitet in tiefe zerklüftete Bergland unter uns. Von unserem Viewpoint aus sehen wir auch die  Wanderstrecke, die vor uns liegt. Es geht zunächst 400 Höhenmeter hinab in ein Tal und dann wieder 600 Höhenmeter hinauf auf das Dach der Tour. Unten im Tal warten Locals mit Pferden und Mulis. Wer hier den Anstieg nicht schafft, kann sich von den Tieren den Berg hinauf tragen lassen.

Oben auf dem Gipfel packen wir das Lunchpaket aus. Wir geniessen windgeschützt die kraftvolle Sonne. Am Nachmittag folgt ein langer Abstieg. Immer nach der Felskante entlang laufen wir in das Lager Chennek. Chennek liegt an einer Straße und unser Gepäck ist bereits dort als wir das Lager erreichen. Wir haben zunächst die Hoffnung das die nun folgende Nacht nicht ganz so kalt wird. Doch nach Sonnenuntegang werden wir schnell eines Besseren belehrt. Ruckzuck verschwindet unsere Wandergruppe in Zelten und Schlafsäcken. Am nächsten Morgen beobachten wir nach dem Frühstück noch Äthiopische Steinböcke. In der Steilwand unterhalb des Lages Chennek klettern die an wilde Ziegen erinnernden Tiere. Gegen Mittag wartet bereits der Minibus und wir fahren in steile Kurven zurück nach Debark.

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