Sprichwort aus der Mongolei

Besser ein dummer Wanderer als ein Weiser, der zu Hause sitzt.

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Treffpunkt 9:30 Uhr. Zweite Etage Holiday Inn Express in der Mall von Puerto Montt. Wir checken ein. Geben unser Gepäck auf und werden wir wieder weggeschickt. Wir sollen noch ausgiebig essen und uns dann um 12:15 Uhr wieder einfinden.

 Minibusse fahren uns auf die Fähre. Der Anleger ist liegt westlich von Puerto Montt im Stadtteil Chinquihue. Vom Fahrzeugdeck laufen wir über eine Rampe nach oben. Koje 1 und 2 im Dormitory 106. Neben den hölzernen Schlafkojen gibt es jeweils einen ausreichend großen, abschließbaren Schrank. Ein Vorhang garantiert etwas Privatsphäre.

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Der Name der Fähre ist Evangelistas. Das Schiff wurde 1977 in Japan gebaut, hat eine Länge von 124 Metern und eine Breite von 23 Metern bei einem Tiefgang von 4,5 Metern. Zwei Dieselmotoren mit jeweils 1800 KW treiben das Schiff an und beschleunigen es auf eine Reisegeschwindigkeit von 16 Knoten. Pro Tag werden 16.000 Liter Schweröl verbrannt und 25.000 Liter Frischwasser. Es gibt zwei Fahrzeugdecks und darüber zwei für Passagiere. Dort sind Kabinen, Schlafsäle und der Comidor. Ganz oben die Cafeteria, das Deck Natales, das sich am Abend in ein Kino verwandelt und die Brücke.

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Bei strahlendem Sonnenschein schauen wir vom Oberdeck dem geschäftigen Treiben im Hafen zu. Seelöwen streiten sich um die Sonnenplätze auf den großen orangen Bojen. Es dauert bis 18:00 Uhr. Dann stechen wir in See.

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Puerto Montt liegt an einer großen Bucht, einem natürlichen Hafen. An kleinen Inseln vorbei fahren wir in den Sonnenuntergang. Ein Briefing informiert über die Gepflogenheiten an Bord. Es sind 113 Reisende auf dem Schiff, dazu kommen 30 Mann Besatzung. Erstaunlich viele Franzosen. US-Amerikaner, Chilenen und natürlich auch ein paar Deutsche. Das Trinken von Alkohol ist untersagt. Zu Abend gibt es Lachs und das Kino zeigt einen Film über das Leben von Pablo Neruda.

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Gegen 7 Uhr geht die Sonne auf. Wir befinden uns etwas südlich der Insel Chiloe und fahren nun in den Canal Moraleda. Steuerbord entdecke ich die Fontäne eines Wales. Dieser bläst in regelmäßigen Abständen und ist so weithin sichtbar. Nach dem Frühstück gibt es ein Meeting zur Navigation und wir werden über die exakte Route informiert. Als wir an Puerto Aguirre vorbei schippern gibt es kurz Internet. Ich rufe den Kicker auf. Bayern hat zu Hause gewonnen und den Abstand auf die Borussia egalisiert. Die Blauen haben verloren.

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Wir fahren in einen geschützten Kanal. Es gibt kaum Seegang. Je nach Wetterlage gibt es von hier drei Optionen für die Passage zur offenen See. Der Canal Ninualaq liegt nördlich, es folgt der Canal Chacabuco. Wir durchschiffen am Abend durch den landschaftlich reizvollen Canal Pulluche. Links und rechts des oft nur wenige hundert Meter breiten Kanals liegt der Nationalpark Las Guaitecas.

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Wir erreichen die offene See, der Wind frischt auf und die Fähre wiegt im Auf und Ab der Wellen. Der Abschnitt auf dem Pazifik dauert etwa 6 Stunden bis zur Bahia de Anna Pink. Hier wünscht derL euchtturmwärter viel Glück bei der Fahrt durch den Golfo de Penas. Es hört gerade auf zu regnen als wir am Morgen aufwachen. Bei der sechsstündigen Passage durch den Golf des Leidens strahlt die Sonne und der Pazifik ist entgegen der Ankündigungen relativ ruhig. Doch beim Frühstück verrutscht manchmal die Tasse.

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Wir lassen den Golfo de Penas hinter uns. Es geht in die südlichen Fjorde, die in der letzten Eiszeit durch riesige Gletscher ausgewaschen wurden. Bei der Einfahrt in den bis zu 1500 Meter tiefen Canal Messier entdecken wir wieder Wale. Am ersten Tag der Reise sahen wir ab und an noch Fischer und Fischfarmen, jetzt navigieren wir durch eine menschenleere Landschaft.

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Eine Attraktion ist neben der umwerfenden Natur das Captain Leonidas Schiffswrack. Beim Versuch den Diebstahl einer Ladung Zucker auf der Fahrt von Brasilien nach Valparaiso zu vertuschen, versuchte 1968 der Kapitän eines Frachters diesen auf dem Cotopaxi Shell zu versenken. Das misslang gründlich. Das Frachtschiff fuhr auf die Untiefe auf, sank jedoch nicht, sondern ist nun schon über 50 Jahre als Wrack zu sehen. Kurz vor Puerto Eden fahren wir durch The English Narrow, auf spanisch Angostura Inglés. Eine extrem schmale Stelle im Canal Messier. Der Abschnitt kann nur zweimal am Tag in der strömungsfreien Zeit zwischen Ebbe und Flut passiert werden. Als wir mit der Evangelistas in die Enge einfahren, begleiten uns springend schwarz-weiße Stella Maris Delphine.

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Puerto Eden wurde in den 30er Jahren als Tankstopp für Wasserflugzeuge gegründet. Auf dem Weg von Puerto Montt nach Punta Arenas mussten die Flugzeuge damals aufgetankt werden. Hinter der Siedlung liegt der Berg Panchote. In den höheren Lage hat es geschneit. Wie Puderzucker. Puerto Eden ist der einzige Halt auf der Reise. Mit kleinen Booten werden Passagiere und Fracht ausgeschifft. Das Gute an Puerto Eden: Es gibt Netz. Der Ballspielverein hat Zuhause Leverkusen geschlagen.

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Am nächsten Morgen regnet es ohne Unterlass. Die Sicht ist mehr als 100 Meter. Und es ist kalt. Nasskalt. Uns wird ein in Meer kalbender Gletscher angekündigt, aber es ist nichts als Nebel zu sehen. Südpatagonien empfängt uns mit Schmuddelwetter.

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