• Marcel Proust

    Eine kleine Reise ist genug, um uns und die Welt zu erneuern.

Riesenrad Prater Wien

Wien. Die Hauptstadt unseres südlichen Nachbarn. Wieso hat es eigentlich sechzig Jahre gedauert, bis ich diese charmante Metropole an der Donau kennenlernen durfte? Wir erreichen die Stadt auf dem Radweg auf der Donauinsel. Das Erste, was wir von dieser bemerkenswerten Stadt sehen, sind nicht die historischen Gebäude am Ring, sondern die moderne Skyline der UNO City. Die Stadt ist neben New York, Genf und Nairobi einer der vier Amtssitze der Vereinten Nationen.

Wien liegt seit Jahren auf den vorderen Plätzen der Städte mit der höchsten Lebensqualität weltweit. Nicht zufällig: Das öffentliche Verkehrsnetz gilt als eines der besten Europas. Die Stadt investiert seit Jahren in Grünflächen, Fahrradinfrastruktur und sozialen Wohnungsbau. An vielen Mietshäusern erinnern rote Schriftzüge an das Jahr der Errichtung und die Stadt als Bauherr. Seit 1919 investiert Wien in den Gemeindebau und verwaltet heute 220.000 Wohnungen, die zu bezahlbaren Preisen von fast einer halben Million Menschen genutzt werden.

Von dem viel zu lauten Campingplatz, auf dem wir gelandet sind, radeln wir mit den Klapprädern in die Stadt. Auf großzügigen Radwegen überqueren die Neue und die alte Donau, den eigentlichen Fluss. Und dann sind wir im Prater. Nicht im Vergnügungspark, sondern in einem weitläufigen Naturraum der von einer breiten autofreien Alleestraße durchzogen wird. Auf der rechten Hand das Ernst-Happel-Stadion, die vielen Trainingsplätze, die Radrennbahn und das große Stadionbad. Das Praterstadion und die angrenzenden Sportanlagen wurden 1931 für die zweite Arbeiterolympiade errichtet.

Und dann sind wir im Wurstelprater. Der älteste Vergnügungspark der Welt ist jetzt am Nachmittag nur spärlich besucht. Wir können mit den Klapprädern durch die Gassen flanieren. Über den vielen Attraktionen, Bierbuden und Fresstempeln thront das Riesenrad. 1897 errichtet ist es das Vorbild für die vielen Skywheels in den Metropolen der Welt. Die Idee ein Ründchen in einer der 15 Gondeln zu drehen, scheitert an unserer Sparsamkeit. 27,50 Euro (im Jahr 2026) sind uns dann doch etwas zu teuer.

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Über die Praterstraße radeln wir auf tollen Radwegen zur Inneren Stadt. Ich lerne, dass die eigentliche Stadt Wien nicht an der Donau liegt, sondern am Donaukanal und an der Wien, einem kleinem, nicht einmal  40 Kilometer langen Fluss, welcher der Stadt ihren Namen gab. Am Donaukanal setzen wir uns auf einer der vielen Bänke, genießen das wunderbare Wetter und das bunte Treiben in dieser außergewöhnlichen Stadt.

Und dann haben wir Glück. Alex ist in der Stadt und er bietet sich an uns sein Wien zu zeigen. Am zweiten Tag unseres Wienaufenthalts lassen wir die Fahrräder auf dem Zeltplatz, kaufen uns eine Tageskarte der Wiener Linien und treffen uns um 10 Uhr am Stephansdom mit Alex. Und dann beginnt eine Stadtführung der besonderen Art. Mit seinen profunden Kenntnissen der Stadt und seiner Geschichte zeigt er uns die vielen historischen Sehenswürdigkeiten Wiens. Innerhalb des Rings laufen wir durch Hofburg und schauen in die Stallungen der Hofreitschule. Wir trinken Kaffee in einem der Kaffeehäuser. Mit der Straßenbahn – der Bim – geht es zum Schloss Belvedere. Auf dem Naschmarkt essen wir Falafel. Und mit der U-Bahn raus nach Schönbrunn. Und zu all diesen herausragenden Objekten bekommen wir interessante und kenntnisreiche Erläuterungen.

Krönender Abschluss: Ein Besuch eines Stadtheurigen in Ottakring. Kannten wir diesen Stadtteil bislang nur von dem leckeren Bier, das hier gebraut wird, entführt uns unser Reiseführer nun in eine traditionelle Weinwirtschaft. Im Herrgott aus Sta lassen wir den Nachmittag mit reichlich Gespritztem und reichhaltigen Speisen vom Buffet ausklingen. Am Ende des Tages schmerzen die Füße. Der Schrittzähler zeigt unglaubliche 42.000 Schritte an und wir wissen, dass wir diese Stadt sicherlich noch einmal besuchen müssen.

Und dann war da ja noch etwas: die Eröffnung der Wiener Festwochen auf dem Heldinnenplatz. Nach einer Dusche und einem kleinen Break geht es wieder los. Mit 50.000 Menschen feiern wir 75 Jahre Schönheit und Skandal. Die Republic of Gods. Den Auftakt macht die große Patti Smith. Die Grande Dame des politischen Punks rührt mich zu Tränen. Wir stehen neben einer Bühne, auf der Gebärdendolmetscher mit Enthusiasmus und Einfühlsamkeit das Konzert begleiten. Wien feiert sich und seine Kultur. Wir feiern mit.

Impressionen

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