Franz Kafka

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.

Weihnachten in Assuan

Nach der fünfstündigen Taxifahrt von Marsa Alam durch die arabische Wüste erreichen wir Assuan am späten Nachmittag des Heiligen Abend. Die Sonne geht früh unter jetzt im Winter und die Kälte der Wüste breitet sich schnell aus. Es ist mein dritter Besuch der oberägyptischen Stadt nach 1989 und 2002. Unsere Unterkunft befindet sich im "nubischen Dorf" auf der westlichen Seite des Niles. Das Habibi Nubian Guesthouse liegt an einem kleinen staubigen Platz auf dem Kinder spielen. Zum Abendessen wechseln wir die Location. Der Familie gehört ein weiteres Hotel mit einer großen Dachterasse mit Blick auf den längsten Fluß unseres Planeten.

Vor der islamischen Eroberung im 7. Jahrhundert war Ägypten ein Provinz des oströmischen Reichs. Gut 10% der ägyptischen Bevölkerung ist christlich. Die Koptische Kirche in Ägypten zählt wie die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche zu den altorientalisch-monophysitischen Kirchen. Weihnachten wird hier erst am 6. Januar gefeiert. Am Morgen des Weihnachtstages machen wir uns nach einen ausgiebigen Frühstück mit Blick auf den Nil auf den Weg die Stadt zu erkunden. Um zur Nilpromenade auf der anderen Seite der Stadt zu gelangen, nutzen wir die öffentliche Fähre. Der Preis für Touristen beträgt 5 Pfund, Einheimsche fahren gratis.

Auf der Fähre fällt der Wandel der ägyptischen Gesellschaft ins Auge. Gegenüber meinen früheren Besuchen sind deutlich mehr Frauen verschleiert und tragen einen Hijab. Corona scheint hier in Assuan niemand zu kennen, Obwohl wir auf der Fähre eng bei einander sitzen, trägt von der lokalen Bevölkerung niemand einen Mundschutz. Auf der Corniche el Nile, der Uferpromenade, empfängt uns eine Schar unausgeschlafener Schlepper mit dem Ziel uns zu einer Segelpartie auf dem Nil zu überreden. Wir schauen uns die 2006 errichtete orthodoxe Hauptkirche an und werden dort von einer freundlichen Dame durch die Kirche geführt.

Schon auf der Corniche el Nile fällt uns die hohe Polizeipräsenz in der Stadt auf. Im Abstand von 10 Metern stehen jeweils ein normaler Polizist mit oranger Warnweste und daneben ein gutgekleideter Herr im feinen Zwirn mit Mobiltelefon am Ohr. Bei diesen "Ordnungshütern" fehlt eigentlich nur ein Schild Geheimpolizei am Revers, so offensichtlich ist ihre Profession. Am Old Katarakt Hotel, in dem schon Agathe Christie übernachtete und dort ihren Roman Tod auf dem Nil fertigstellte, stehen wir dann vor verschlossenen Türen. Die Dichte von Sicherheitskräften steigt noch ein mal deutlich und wir werden darauf aufmerksam gemacht, dass der ägyptische Präsident as-Sisi die Stadt besucht und das Old Katarakt daher für die Öffentlichkeit gesperrt ist.

Wir umrunden das Hotel und plötzlich nur wenige Meter hinter dem vor Mauern gesicherten Gebäuden in einer recht ärmliche Wohngegend in der vorallem der Plastikmüll in Auge sticht. Hier sieht es nicht anders aus als in Indien, Myanmar oder Indonesien. Es hat fast den Eindruck, das hier in Assuan die Müllproblematik sich noch einmal drastischer darstellt. Hinter dem ganzen Müll finden wir dann aber noch ein kleines Cafe mit einer wunderbaren Terrasse am Fluß. Hier geniessen wir die warmen Sonnenstrahlen und feiern bei einer Coca-Cola meinen Geburtstag.