Emile Zola
Nichts entwickelt die Intelligenz wie das Reisen.

Nichts entwickelt die Intelligenz wie das Reisen.
Im Sommer 2018 ist es dann so weit: unser Sabbatjahr beginnt. Hatte ich zunächst noch Zweifel, ob ich mir als Freiberufler die Auszeit leisten kann, sitze ich nun mit dem Laptop in der Tasche am Flughafen in Dortmund. Die Kinder haben uns zum Terminal begleitet und heute am 1. Juli kann es losgehen. Unser Flug nach Kuitaissi hat fast 4 Stunden Verspätung. Aber wir sind ja nicht in Eile.
Etwa 15 km von Kutaissi entfernt befindet sich Gelati. Die Akademie ist Teil einer Klosteranlage und besteht seit dem 12. Jahrhundert. David der Erbauer gründet die Universität nach dem Vorbild der Akademie von Mangana in Konstantinopel und sie ist lange das kulturelle Zentrum Georgiens. Mit einem Marschrutka fahren wir etwa eine halbe Stunde in die hügelige Landschaft nördlich von Kutaissi.
Nördlich von Kutaissi beginnt der große Kaukasus, der sich auf eine Höhe von über 5000 Metern erhebt. Aus dem Hochgebirge fließen reißende Gebirgsflüsse in die Kolchische Tiefebene. An vielen Stellen graben die Flüsse tiefen Rinnen in das Karstgebirge. Neben dem Martvili Canyon gibt es den Okatse Canyon mit einem Panoramaweg und einem Cliffhanger als Stahlkonstruktion. Also genau das Richtige für den Autor, der im wahren Leben mit einer soliden Höhenangst ausgestattet ist. Gut, dass die Anke dabei ist.
Nach drei Tagen in Kutaissi wollen wir eigentlich an das Schwarze Meer reisen. Auf dem Weg dorthin, im Marschrutka nach Zugdidi, überlegen wir es uns aufgrund des eher schlechten Wetters anders. Die Idee: Das Obere Swanetien liegt zwischen den Bergen. Sowohl nach Norden als auch nach Süden durch Bergketten mit Höhen von deutlich über 3000 Metern vom Rest des Landes abgeschirmt.
Nachdem es bis in die frühen Morgenstunden geregnet hat, zeigt sich gegen 9 Uhr die Sonne. Von Mestia sind es etwa zwölf Kilometer zum Chalaaldi Gletscher. Eine schöne Tageswanderung.
Zunächst laufen wir noch ins Dorf, trinken einen Kaffee und holen Proviant für die Wanderung. Der Pfad, den ich mir im Netz angeschaut hatte, führt zunächst auf der rechten Seite des Flusses am Flughafen entlang.
Unsere zweite Tageswanderung von Mestia beginnt am Morgen gegen neun Uhr bei strahlendem Sonnenschein. Unser Hostel liegt unmittelbar am Weg zum Viewpoint über der Stadt. Und dieser Weg hat es in sich. Auf knapp 3 Kilometern Wegstrecke sind gut 800 Höhenmeter zu erklimmen. In engen, steilen Kehren geht es den Weg hinauf. Zum Glück liegt der Weg zu weiten Strecken in einem schattigen Wald, der zum Großteil aus Haselnussbäumen besteht.
Wir wollten an das Meer und sind in Anaklia gelandet. Vielleicht muss man gar nicht viel mehr sagen und lässt die Bilder sprechen.
Absurdistan ist nichts dagegen. Ein mit sehr viel Geld aus dem Boden gestampftes Badeparadies unmittelbar an der Grenze zur abtrünnigen Region Abchasien. So unmittelbar, dass man, wenn man die Strandpromenade entlang läuft, plötzlich vor einer hässlichen rostbraunen Wellblechwand steht: ENTRY DENIED. Dahinter Militärposten und Abchasien.
Nachdem ich bei meinem letzten Besuch im Oktober schon so begeistert von dieser Stadt war, bestätigt sich jetzt mein Eindruck. Ich bin ein kleines bisschen verliebt in das Paris des Ostens. Wir wohnen wieder in Sololaki, dem gründerzeitlichen Viertel, das sich mit seinen ehemals prachtvollen Häusern oberhalb der Altstadt an den Hang schmiegt.