Marcel Proust
Eine kleine Reise ist genug, um uns und die Welt zu erneuern.

Eine kleine Reise ist genug, um uns und die Welt zu erneuern.
Im Sommer 2018 ist es dann so weit: unser Sabbatjahr beginnt. Hatte ich zunächst noch Zweifel, ob ich mir als Freiberufler die Auszeit leisten kann, sitze ich nun mit dem Laptop in der Tasche am Flughafen in Dortmund. Die Kinder haben uns zum Terminal begleitet und heute am 1. Juli kann es losgehen. Unser Flug nach Kuitaissi hat fast 4 Stunden Verspätung. Aber wir sind ja nicht in Eile.
In Chile gibt zwei große, landesweit operierende Busunternehmen. Turbus und Pullmann setzen auf den Strecken in der Regel moderne doppelstöckige Reisebusse ein. Auf den gut ausgebauten Straßen des Landes werden hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten erreicht.
Ein Grund für die Aufnahme der Stadt Valparaiso in die UNESCO Welterbeliste sind die Standseilbahnen. Die Portenos, also die Bewohner Valparaisos, nennen sie Ascensores. Aufzüge. Die Standseilbahnen wurden ab 1883 errichtet, um die auf den Hûgeln liegenden Wohnviertel zu erschließen und bequemer erreichbar zu machen. Bis 1922 wurden über 30 Standseilbahnen errichtet.
Pucón ist ein kleines Städtchen am Lago Villarrica am Fuße des gleichnamigen Vulkans mit 14.000 Einwohnern. In unmittelbarer Umgebung befinden sich die beiden Nationalparks Villarrica und Huerquehue. Sicher ein wunderbarer Ort für beschauliche Wanderungen. So zumindest die Theorie.
Wir erreichen Puerto Montt bei strahlendem Sonnenschein. Der moderne Busbahnhof ist im Zentrum der Stadt. Früher war hier an der Mole der Bahnhof. Aber die Gleise wurden zurückgebaut. Zwei Dampfloks erinnern an die Eisenbahngeschichte.
Die Isla Grande de Chiloé liegt im Süden Chiles, etwa 70 Kilometer südlich von Puerto Montt. Nach Feuerland die zweitgrößte chilenische Insel erreichen wir mit dem Bus. Die Meerenge von Chacap überqueren wir mit einer Autofähre. Bis zur Inselhauptstadt Castro sind es noch fast zwei weitere Stunden. Wir sind hungrig. Das kleine, urige Restaurant im Busbahnhof heißt witzigerweise "Fidel de Castro" und serviert riesige Lachs- und Merluzaportionen wahlweise mit Reis oder Patates.
Mitten in der Nacht beginnt es zu regnen. Dicke Regentropfen klatschen auf die Zeltplane. Laut und kräftig. Nachdem ich in der Nacht die Toiletten aufsuche, bin ich nass. Der erste richtige Regen seit den täglichen Monsunregenfällen in Torajaland. Nur hier ist der Regen kalt.
Der Chiloe Nationalpark wurde 1983 gegründet und befindet sich im Westen der Insel an der Pazifikküste. Der Park besteht aus den Gebieten Anay, Chepu und der kleinen Insel Metalqui. In Cucao gibt es ein Besucherzentrum mit mehreren Waldlehrpfaden. Hier beginnen wir unsere Wanderung und müssen als ausländische Touristen 4000 Peso Eintritt zahlen.
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